Zuverdienst bei Hartz 4: Lohnt sich das?

Mittwoch, 12.04.2017

Von 409 Euro lassen sich keine großen Sprünge machen, daher liegt es nahe, sich als Hartz 4-Empfänger etwas dazu zu verdienen. Ein Minijob bietet sich manchmal an. Aber wie steht es dann mit den Hartz IV-Leistungen? Werden sie gekürzt? Wir bringen etwas Licht ins Bürokratie-Dunkel rund um den Zuverdienst bei Hartz 4.

Erst einmal die gute Nachricht: Kein Jobcenter in Deutschland wird Sie daran hindern, als Hartz 4-Empfänger einen Minijob anzunehmen. Ganz im Gegenteil. Sie zeigen ja damit, dass Sie den Willen haben zu arbeiten und knüpfen vielleicht wichtige Kontakte zu zukünftigen Arbeitgebern. Die schlechte Nachricht ist: Ihre Hilfsbedürftigkeit wird gemindert, wenn Sie selbst etwas verdienen. Ein Teil Ihres Lohns verrechnet das Jobcenter deshalb mit Ihrem Regelsatz an Hartz 4.

Freibeträge und das anzurechnende Einkommen bei Minijobs

Bei einem Minijob verdienen Sie nicht mehr als 450 Euro im Monat. Der so genannte Freibetrag auf das Einkommen eines Hartz 4-Empfängers beträgt immer 100 Euro. So viel dürfen Sie auf jeden Fall behalten. Die restlichen 350 Euro dürfen Sie anteilig behalten, genauer, 20 Prozent davon, also 70 Euro. 170 Euro mindern damit Ihr anzurechnendes Einkommen und werden von den 450 Euro Verdienst im Minijob abgezogen. Das anzurechnende Einkommen legt fest, wie viele Hartz 4-Leistungen Sie noch vom Jobcenter bekommen.

Zuverdienst bei Hartz 4: Ein Rechenbeispiel

Peter bekommt als Single die Grundsicherung Hartz 4 von 409 Euro ausgezahlt. Hat er einen Minijob mit 450 Euro an Einkommen, gilt nach Abzug der Freibeträge von 170 Euro noch 280 Euro als anzurechnendes Einkommen. Dieser Betrag wird aber nicht einfach von seiner Grundsicherung, den 409 Euro, abgezogen. Peter kann und sollte sein anzurechnendes Einkommen vermindern, indem er weitere Kosten geltend macht. Absetzbare Kosten wären zum Beispiel Unterhaltsverpflichtungen, falls er Kinder hat, Werbungskosten wie Fahrtkosten, private Versicherungen, Beiträge zur Altersvorsorge usw.

Grundsätzlich entscheidet das Jobcenter immer individuell, wie weit Ihre Hilfsbedürftigkeit durch Ihren Zuverdienst gemindert wird – und wie viel Euro dann von Ihren Hartz 4-Leistungen abgezogen werden.

Zuverdienst aus Ein-Euro-Jobs mindert die Hilfsbedürftigkeit nicht

Ein-Euro-Jobs sind als Eingliederungsmaßnahme des Arbeitsamts gedacht. Sie dienen sozusagen als letztes Mittel, wenn Sie es nicht aus eigener Kraft schaffen, Arbeit zu finden, und alle Maßnahmen wie Fortbildungen keinen Fortschritt bei der Arbeitssuche nach sich ziehen. Sie stellen deshalb einen Sonderfall dar. Der Vorteil bei Ein-Euro-Jobs ist allerdings: Sie werden nicht mit den Hartz 4-Leistungen verrechnet. Ein Euro-Jobber arbeiten mindestens 15, aber höchstens 30 Stunden pro Woche und verdienen 1-2,50 Euro pro Stunde. 

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