Zustellung bei Ersatzempfänger: Wenn der Nachbar das Paket annimmt

Freitag, 01.09.2017

Die meisten von Ihnen werden es schon erlebt haben: Das Paket landet beim Nachbarn statt an der eigenen Wohnungstür. So man tatsächlich nicht zuhause war, ist das eine feine Sache. Es spart Wege und Zeit. Was, wenn das Paket beim Ersatzempfänger weg kommt?

Die meisten Paketdienste haben die Möglichkeit, Pakete an einen Ersatzempfänger zu liefern,  in ihren AGBs verankert. Es ist damit davon auszugehen, dass der Absender der Abgabe bei einem Nachbarn zustimmt, indem er den Dienst beauftragt. Schließlich kann er die Option auch abwählen. Der „ausdrücklichen Zustimmung des Empfängers“, wie sie der Deutsche Anwaltsverein fordert, entspricht das allerdings noch nicht.  

Was passiert bei Verlust oder Beschädigung

Nehmen wir an, die Zustimmung zum Ersatzempfang ist bereits mit der Nutzung des jeweiligen Dienstes erteilt, so bleibt die Frage nach der Haftung. Sie stellt sich sowohl bei einer sichtbaren Beschädigung des Pakets als auch, wenn dieses ganz verschwunden sein sollte.

Nachbar haftet ohne Verschulden nicht

Der Nachbar – was übrigens auch der Herr in einer anderen Etage oder der Laden um die Ecke sein kann  – ist zunächst einmal nicht verpflichtet, ein Paket für Dritte anzunehmen. Macht er es, muss er die Sendung aber auch beim Empfänger abliefern.

Geschieht dies nicht, stellt sich die Frage nach dem Grund. Wird die Sendung zum Beispiel durch eine Havarie in Mitleidenschaft gezogen, wird man den Nachbarn kaum dafür haftbar machen können. Stellt er das Paket dagegen einfach vor die Haustür und es ist danach verschwunden, liegt wahrscheinlich grobe Fahrlässigkeit vor. Hier ist es durchaus möglich, den Nachbarn zur Verantwortung zu ziehen. Bei einer mutwilligen Beschädigung gilt dies erst recht.

Und wer zahlt am Ende?

Solange der Empfänger seine Ware nicht erhalten hat, muss er auch nicht dafür zahlen. Ist dies bereits geschehen, kann er sein Geld vom Händler zurückfordern. Ein Anrecht auf erneute Zustellung hat er jedoch nicht.

Da der Händler an der misslichen Lage ebenfalls keine Schuld trägt, und er auch keinen Einfluss auf die Zustellung nehmen konnte, wird er sich an den Paketdienst halten. Kann dieser die Zustellung beim Nachbarn nachweisen (zum Beispiel anhand der Unterschrift), stellt sich wieder die Frage nach dem Schadens- oder Verlustgrund. Wenn der Zulieferer dies nicht klären kann, muss er für den Verlust gerade stehen. Der Absender ist dann aufgefordert, die Unterlagen über den Wert des Inhalts und den erfolgten Versand zur Verfügung zu stellen. Ein Händler wird zudem die Bestellung nachweisen. 

Mann nimmt Paket entgegen

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