Wildunfall vermeiden: Wir erklären, wie Sie sich richtig verhalten

Mittwoch, 22.11.2017

Auf Deutschlands Straßen ereignet sich im Durchschnitt alle zwei Minuten ein Wildunfall. Nach Angaben der Versicherer belief sich der Schaden 2015 auf rund 653 Millionen Euro. Viele dieser Unfälle wären mit vorausschauendem Fahren vermeidbar gewesen. 

Der Deutsche Jagdverband rät vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung zu erhöhter Aufmerksamkeit, denn dann sind die Tiere besonders aktiv. Gerade Wald- und Straßenränder sollten Autofahrer im Auge behalten. Besteht eine beschilderte Warnung vor Wildwechsel, ist das Tempo auch bei guter Sicht vorsorglich zu reduzieren.

Erhöhte Gefahr für Wildunfälle

Ein erhöhtes Gefahrenpotential besteht nicht nur in der Dämmerung und bei schlechten Sichtverhältnissen. Vom Spätsommer bis in den Februar hinein gehen viele Tiere auf „Brautschau“ und reagieren besonders impulsiv. Da die Tage zugleich kürzer werden und es häufig zu Nebelbildung kommt, steigt die Gefahr für Wildunfälle signifikant.

Brunft- und Paarungszeiten im Überblick:

  • Rehe: Juli und August
  • Rothirsche: September und Oktober
  • Damhirsch: Oktober und November
  • Wildschwein: November bis Februar
  • Fuchs: Januar und Februar

Wer Wildtiere auf der Fahrbahn bemerkt, sollte auch bei größerer Entfernung sensibilisiert sein. Die meisten Wildtiere sind in Rudeln unterwegs, Nachzügler können daher die Straße überqueren.

Für ein erhöhtes Unfallrisiko sorgen auch Wanderer oder Pilzsammler, von denen die Tiere in ihren Verstecken aufgeschreckt werden. Auf ihrer Flucht überqueren sie die Straßen, häufig kommt es dann zur verhängnisvollen Kollision. Wer als Ausflügler auf den markierten Wegen bleibt, kann daher zur Vermeidung von Unfällen beitragen.

Richtiges Fahrverhalten bei Dunkelheit

Wer zu später Stunde durch waldreiche Gebiete fährt, sollte das Fernlicht benutzen, sofern es der Gegenverkehr zulässt. Das weit strahlende Licht hilft, Tiere frühzeitig an der Reflexion ihrer Augen zu erkennen. Steht ein Reh oder Hirsch auf der Straße, bremsen Sie ab und blenden ab. Meist lassen sich die Tiere durch Hupen von der Fahrbahn vertreiben.   

Unvermeidliche Wildunfälle

Bei einem unvermeidlichen Wildunfall geistesgegenwärtig zu reagieren, kann Leben retten. Wer in dieser Situation das Lenkrad zum Ausweichen herumreißt, gefährdet sich selbst, seine Mitreisenden und andere Verkehrsteilnehmer. Bei einem Wildunfall sollten Sie das Lenkrad sicher festhalten, bremsen und weiter geradeausfahren. So nehmen Sie die Kollision zwar in Kauf, landen aber nicht im Gegenverkehr oder an einem Baum.

Nach dem Wildunfall richtig verhalten

Priorität nach dem Anhalten hat die Sicherung der Unfallstelle. Schalten Sie das Warnlicht ein, ziehen Sie die Warnweste an und positionieren Sie das Warndreieck. Liegt das Tier noch auf der Straße, sollten Sie es aus Sicherheitsgründen beiseiteschaffen. Gehen Sie vorsichtig vor und begeben Sie sich nicht unnötig in Gefahr. Verletzte Tiere können sich sehr aggressiv verhalten. Sie sollten das Tier auch nicht mit bloßen Händen berühren, um eine Tollwut-Infektion auszuschließen.

Bleiben Sie am Unfallort und informieren Sie umgehend die Polizei. Die Beamten werden sich später mit dem zuständigen Forstamt in Verbindung setzen. Ist das verletzte Tier noch geflüchtet, wird es von den Förstern ausfindig gemacht. Sie selbst sollten einem verletzten Reh oder Wildschwein nie in den Wald folgen. Wer ein getötetes Tier mitnimmt, macht sich einer Straftat schuldig. Auf Wilderei stehen bis zu drei Jahre Haft oder hohe Geldstrafen.

Von der Polizei erhalten Sie auch eine Wildunfall-Bescheinigung. Diese benötigen Sie, um den Schaden bei der Versicherung (Kasko oder Teilkasko) geltend zu machen.

Wildunfall

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