Wiedereingliederung: Wie sie funktioniert und welche Leistungen es gibt

Donnerstag, 21.09.2017

Nach einer langen Krankheitsphase fällt es Arbeitnehmern oft schwer, im Job wieder Fuß zu fassen. Um die ersten Schritte zu erleichtern, sieht das Sozialgesetzbuch die Möglichkeit einer schrittweisen Wiedereingliederung vor. 

Nach der ärztlichen Freigabe müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber der Wiedereingliederung zustimmen (Ausnahme: Schwerbehinderte). Aus einer Ablehnung dürfen dem Arbeitgeber dabei keine Nachteile entstehen. Er muss seine Entscheidung auch nicht begründen.

Viele Unternehmen verfügen über ein betriebliches Eingliederungsmanagement, um die schrittweise Rückkehr an den Arbeitsplatz für beide Seiten vorteilhaft zu gestalten.

Der Weg zur Wiedereingliederung

Dem Verfahren zur Wiedereingliederung geht eine längere Krankheitsphase des Arbeitnehmers voraus. Sie beträgt mindestens sechs Wochen, meist jedoch länger.

In den ersten sechs Wochen der (unverschuldeten) Erkrankung zahlt der Arbeitgeber weiterhin das Arbeitsentgelt. Danach springt die private oder gesetzliche Krankenversicherung des Arbeitnehmers ein. Der Arbeitgeber ist nun aus der Pflicht.

Empfehlen die Ärzte eine schrittweise Wiedereingliederung, hebt das die Krankschreibung nicht auf. Der Arbeitnehmer gilt also weiterhin als arbeitsunfähig, denn er kann seine vertraglich vereinbarte Leistung nicht vollumfänglich erfüllen. Die Beschäftigung für wenige Stunden dient dazu, die volle Leistungsfähigkeit wieder herzustellen und zugleich den Genesungsprozess zu unterstützen.

Eigenes Rechtsverhältnis für die Wiedereingliederung

Im üblichen Fall wird der Arbeitnehmer in der Phase der Wiedereingliederung vom Unternehmen nicht entlohnt. Alle Zahlungen leistet weiterhin die Krankenkasse (beziehungsweise Renten- oder Unfallversicherung). Im Gegenzug schuldet der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber aber auch keine bestimmte Arbeitsleistung.

Grundsätzlich folgt die Wiederbeschäftigung also den ärztlichen Vorgaben der Rehabilitation. Der Umfang der Tätigkeit, der im Erfolgsfall sukzessive weiter ausgedehnt wird, folgt also medizinischen Erwägungen, nicht den wirtschaftlichen Interessen des Arbeitgebers. Im Sinne der vollen Wiederherstellung der Arbeitskraft besteht dennoch ein beiderseitiges Interesse.

Aus der fortgesetzten Arbeitsunfähigkeit und dem Wiedereingliederungsverhältnis ergibt sich auch, dass der Arbeitnehmer mit seiner Teilzeit-Tätigkeit keinen Urlaubsanspruch erwirbt. Er hat zudem selbst nach begonnener Arbeitsaufnahme kein Recht und keine Pflicht auf eine dauerhafte Fortsetzung dieser Arbeit, so nicht vertraglich anders geregelt.

Will der Arbeitnehmer die Wiedereingliederung einseitig beenden, ist er allerdings zur Rücksichtnahme verpflichtet. Er muss sein Vorhaben daher rechtzeitig ankündigen. Feste Fristen gibt es nicht. Direkten Einfluss auf das reguläre Arbeitsverhältnis hat das Aussetzen der Wiedereingliederung nicht.

Soll eine krankheitsbedingte Kündigung erfolgen, ist ein betriebliches Eingliederungsmanagement gemäß Paragraph 84 allerdings zwingend.

Alternativen zur Wiedereingliederung

Der Krankengeldbezug ist auf 78 Wochen begrenzt (innerhalb von 36 Monaten bei derselben Erkrankung). Zudem zahlen die gesetzlichen Krankenkassen nur rund 70 Prozent des Bruttolohns aus. Es kann daher von Vorteil für den Arbeitnehmer sein, eine Teilzeit- oder Vollzeitbeschäftigung unter Verrechnung der Urlaubszeiten zu beginnen. Dies setzt allerdings voraus, dass die behandelnden Ärzte diesem Vorgehen zustimmen. 

Frau mit Rückenschmerzen am Schreibtisch

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