Wie lange dauert ein Scheidungsverfahren?

Mittwoch, 14.02.2018

Eine Scheidung kostet nicht nur Geld und Nerven, sie kostet auch Zeit. Nach dem obligatorischen Trennungsjahr geht es um weitere Monate, im Streitfall um Jahre. Eheleute, die dem Zeitfaktor Priorität einräumen und gemeinsam aktiv mitwirken, können die Dauer des Scheidungsverfahrens aber auf zwei Monate begrenzen.

Zwei Fragen stehen bei der Dauer eines Scheidungsverfahrens im Vordergrund:

  • Ist die Scheidung einvernehmlich?
  • Soll der Versorgungsausgleich vor Gericht mit geregelt werden?

Einvernehmliche Scheidung ohne Versorgungsausgleich

Eine Scheidung im Einvernehmen ist immer schneller, als wenn vor Gericht um Fragen des Unterhalts oder des Zugewinnausgleichs gerungen wird. Sind sich die Eheleute in der Sache einig und wird zudem von beiden Partnern auf einen Versorgungsausgleich verzichtet, kann die rechtskräftige Scheidung bereits zwei bis drei Monate nach Antragsstellung erfolgen.

Da der Scheidungsantrag selbst bereits zwei Monate vor Ablauf des Trennungsjahrs gestellt werden kann, ist die Scheidung im schnellsten Fall bereits kurz nach Ablauf des Jahres vollzogen.

Einvernehmliche Scheidung mit Versorgungsausgleich

Die gerichtliche Klärung des Versorgungsausgleichs ist auch bei einer einvernehmlichen Scheidung üblich. Das bedeutet, dass die entsprechenden Unterlagen bei der Deutschen Rentenversicherung und anderen Versicherern eingeholt werden müssen. Die Dauer des Scheidungsverfahrens verlängert sich also schon, weil die Auskünfte abzuwarten sind. Diese können innerhalb von zwei Monaten eintreffen, aber auch ein halbes Jahr und länger auf sich warten lassen.

Tipps:

  • Relevant Zeit lässt sich sparen, wenn die Kontenklärung beim Versicherungsträger bereits im Laufe des Scheidungsjahres erfolgt. Hier geht es darum, Fehlzeiten zu klären, die über die Gesamtdauer der Rentenversicherung aufgelaufen sein können.
  • Die frühe Überweisung des Gerichtskostenvorschusses kann Verzögerungen verhindern.
  • Eheleute, die sich einvernehmlich trennen, können alles über einen Anwalt regeln (sonst zwei). Das spart Zeit und Geld.
  • Beworben werden zudem schnelle „Online-Scheidungen“, wobei der Begriff trügt. Vor Gericht ist das persönliche Erscheinen Pflicht. Dennoch lassen sich Prozesse über den elektronischen Austausch beschleunigen – immer vorausgesetzt, es wird nicht gestritten.

Scheidung mit Streitpotential

Gibt es Streit, sind die Anwälte am Zug – und das auch über Jahre. Selbst wenn der Scheidungsbeschluss steht, können Rechtsmittel dagegen eingelegt werden, womit sich die Scheidung erneut auf unbestimmte Zeit vertagt. Ist bei einer einvernehmlichen Scheidung im Regelfall mit einem Abschluss binnen Jahresfrist zu rechnen, lässt sich die Dauer im Streitfall kaum vorhersagen.

Paar streitet vor Drittem

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