Vom Strafzettel bis zum Totalschaden: Wer haftet, wenn ich mein Auto verliehen habe?

Sonntag, 17.12.2017

Das Auto zu verleihen, ist grundsätzlich eine gute Sache. Schließlich steht das teure Gefährt in dieser Zeit nicht ungenutzt herum, sondern wird seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt. Heikel wird es allerdings, wenn der Begünstigte (der Entleiher) einen Unfall baut oder mit dem Gesetz in Konflikt gerät. Wer haftet dann?

Ist zwischen Verleiher und Entleiher kein Haftungsausschluss vereinbart – was auch als stillschweigende Vereinbarung der Fall sein kann – muss der Entleiher im Regelfall für selbst verursachte Schäden aufkommen, die nicht von der Versicherung getragen werden. Im Folgenden einige Beispiele:

Selbst verschuldeter Unfall

Verursacht der Entleiher einen Unfall, wird der Schaden der Gegenseite wie üblich durch die Haftpflichtversicherung des Halters reguliert. Wer am Steuer saß, spielt dafür keine Rolle.

Mit dem Schaden am eigenen Wagen sieht das anders aus. Hier zahlt, sofern vorhanden, die Kaskoversicherung. Der Entleiher muss dann allerdings für die Mehrbelastung aufkommen, die dem Halter in Folge der Herabstufung in der Schadenfreiheitsklasse entsteht. Die Versicherung gibt über diesen Betrag auf Wunsch Cent-genau Auskunft.

Besteht keine Absicherung über die Kasko, geht auch der Sachschaden auf Kosten des Entleihers.

Zu schnell unterwegs

Wird der Entleiher auf seiner Spritztour geblitzt, geht das behördliche Schreiben zunächst an den Fahrzeughalter. Dieser kann sich zur Sache äußern oder auch nicht. Verweigert er im Anhörungsbogen die Auskunft, ist aber zugleich deutlich sichtbar nicht der Fahrer, kommen wahrscheinlich Ver- und Entleiher ungeschoren davon, da kein Schuldiger zu ermitteln ist.

War der Verstoß erheblich, würde also auch einen Punkt in Flensburg mit sich bringen, bleibt der konkrete Fall wahrscheinlich ebenfalls ohne Strafe. Das Leben des Halters (Verleihers) ändert sich jedoch. Er muss künftig ein Fahrtenbuch führen, das jede Tour und jeden Fahrerwechsel genau dokumentiert. Der Aufwand ist nicht gering zu schätzen.

Falsch geparkt

Ein Strafzettel für falsches Parken muss beglichen werden und die Behörden können hier den Halter in die Pflicht nehmen. Im üblichen Fall wird der Entleiher ihm diesen Betrag zwanglos ersetzen, womit die Sache erledigt ist. Kommt es zum Streit zwischen Halter und Entleiher, wird sich der Halter letztlich durchsetzen, zumindest wenn er belegen kann, dass der andere für den Verstoß verantwortlich ist.

Stillschweigender Haftungsausschluss

Ein stillschweigender Haftungsausschluss ist gegeben, wenn der Entleiher dem Verleiher mit der Fahrt einen Gefallen tut und der Unfall auf leichte Fahrlässigkeit zurückzuführen ist. Bitten Sie zum Beispiel einen abstinenten Nachbarn, Sie nach einem feucht-fröhlichen Abend mit dem eigenen Auto nach Hause zu fahren, wird dieser für einen Unfallschaden nicht aufkommen müssen. Diese Möglichkeit sieht das Gesetz vor allem für Fälle vor, in denen keine private Haftpflichtversicherung besteht. So soll verhindert werden, dass eine Gefälligkeit durch ein leichtes Missgeschick zum finanziellen Bumerang wird.        

  

Mann telefoniert vor Autounfall

Weitere Artikel

Kommentare