Wer haftet bei Dachlawinen?

Freitag, 08.12.2017

Dachlawinen können eine enorme Kraft entwickeln. Die rutschenden Schneemassen stellen dann eine erhebliche Gefahr dar. Jedes Jahr kommen Menschen durch Dachlawinen zu Tode oder werden schwer verletzt. Darüber hinaus summieren sich Sachschäden zum Beispiel an Autos. Wer haftet in diesen Fällen?

Eine generelle Regelung zur Haftung bei Dachlawinen gibt es nicht. Wer als Geschädigter hofft, dass der Hausbesitzer zahlen muss, wird regelmäßig enttäuscht. Seine Verkehrssicherungspflicht endet nämlich an dem Punkt, an dem der Aufwand im Missverhältnis zur Gefahrensituation steht. Ist nicht mit der Gefahr von Dachlawinen zu rechnen, wird auch dem Hausbesitzer eine Vorsorge wirtschaftlich nicht zugemutet.

Dachlawine: Wann muss der Hausbesitzer haften?

Besondere Umstände können dazu führen, dass der Hausbesitzer aktiv gegen die Gefahr von Schneelawinen vorgehen muss. Tut er dies nicht, muss er für den Schaden haften. Diese „besonderen Umstände“ sind wie folgt definiert:

  • Die allgemeine Schneelage des Ortes macht Schneelawinen wahrscheinlich. Dieser Punkt betrifft alle Regionen, in denen es laut Wettermessung besonders häufig und stark schneit.
  • Das Gebäude steht an einem besonders gefährdeten Platz oder begünstigt durch seine Bauweise Schneelawinen. Das kann zum Beispiel bei einem starken Neigungswinkel des Daches der Fall sein.
  • Eine Dachlawine vom Gebäude könnte aufgrund seiner Lage zu einer Verkehrsgefährdung führen.
  • Die Absicherung vor Dachlawinen gehört vor Ort zur gewohnten Vorsorge, ist also ortsüblich.
  • Besonders starke Schneefälle sorgen dafür, dass die Gefahr von Dachlawinen steigt. Es ist somit absehbar, dass es ohne Gegenmaßnahmen zu Schadensfällen kommen würde.    

So umfangreich die Liste auch erscheint, in vielen Fällen haftet der Hausbesitzer damit nicht. Die meisten Gebäude verfügen über Dächer, die mit einem Neigungswinkel unter 45 Grad hinter dem kritischen Wert zurückbleiben. Steht das Haus leicht zurückgesetzt auf einem Grundstück, ist auch der Verkehr nicht unmittelbar in Gefahr. Es bleibt also nur die Frage nach der statistischen oder aktuellen Schneelage. Hier kann man sich sicherlich streiten, was oft genug vor Gericht passiert. Die deutschen Großstädte dürften statistisch gesehen aber schon auf der sicheren Wetter-Seite sein.

Wer haftet bei einer Dachlawine, wenn nicht der Hausbesitzer?

Zerschlägt eine Schneelawine die Gartenmöbel des Mieters, die im Freien auf den Sommer warten, wird er in den meisten Fällen auf dem Schaden sitzen bleiben. Spricht keines der oben genannten Kriterien für eine besondere Gefährdung, muss der Vermieter nicht einmal ein Schneegitter installieren.

Trifft die Dachlawine ein Auto, springt die Vollkasko-Versicherung ein. Geht nur eine Scheibe zu Bruch, kann die Regulierung auch über die Teilkasko erfolgen. Autobesitzer ohne Kaskoschutz dürften Probleme haben, den Schaden geltend zu machen – zumindest wenn kein Verstoß gegen die Verkehrssicherungspflicht nachgewiesen werden kann.

Hinweis: Hausbesitzer, die langwierigen Gerichtsverfahren entgehen und tragische Unfälle vermeiden wollen, sind mit Schneegittern gut beraten. Das Amtsgericht München hat bereits 2013 in einem Urteil (Az. 274 C 32118/13) festgestellt, dass mit Schneefanggittern der Verkehrssicherungspflicht in fast jeder Situation Rechnung getragen werde. Wer sein Eigentum an gefährdeten Stellen aufbewahre, also zum Beispiel unter einem Dachvorsprung parke, müsse allein für dessen Sicherheit sorgen – oder das Risiko tragen.      

Schneemassen vor Hausdach

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