Wenn „Alexa“ verrücktspielt: Rechtstipps für die Nutzung digitaler Medien

Samstag, 16.12.2017

Alexa und andere Dienste zur digitalen Sprachsteuerung erobern weltweit die Haushalte. Sie ziehen ein und leisten gute Dienste – für Besitzer und Hersteller. Die einen brauchen das Licht nicht mehr per Hand auszuschalten, denn Alexa übernimmt das auf Wunsch zuverlässig. Die anderen erfahren dafür, wann es im Haus dunkel geworden ist, und empfehlen vielleicht den Kauf eines erotischen Bestsellers. 

Während Alexa im beschriebenen Fall nun im Dunkeln steht, spielt sich rechtlich noch vieles in einer Grauzone ab. Jeder weiß, dass digitale Mediendienste wie Alexa, Siri oder Cortana Daten erheben und weitergeben, aber niemand weiß so recht, was alles dazu zählt. Einer der Gründe dafür: Ist die App nicht gerade beim Datenschutzbeauftragten installiert, scheint auch niemand wirklich interessiert. Schließlich sind Alexa & Co. mit ihrer Sammelwut alles andere als allein. (Googeln Sie das nicht, das würde aufgezeichnet).

Sind digitale Mediendienste wie Alexa & Co. überhaupt erlaubt?

Ja. Digitale Assistenten sind erlaubt, und zwar sowohl als App auf dem Smartphone als auch in Verbindung mit der wachsenden Anzahl von Smart Speakern, die für die Vernetzung der Wohn- und Schlafzimmer sorgen. Ihre Berechtigung beziehen digitale Medien eben aus dem Fakt, dass das „Abhören“ ihre ureigenste Aufgabe ist. Kein Käufer kann sich also darüber beschweren, wenn er die eigene Wohnung „verwanzt“. Schließlich gibt’s im Gegenzug einen sprachgesteuerten Butler, der seine Lernfähigkeit in den kommenden Jahren unter Beweis stellen wird.

Was passiert, wenn Gäste kommen?

Tatsächlich ist die Sache heikel – auch rechtlich – wenn der Postbote mal wieder etwas Trost spendet und Alexa ohne zu erröten mithört und petzt. Das hat der Bote nämlich weder geahnt noch gewollt. Sein Tagwerk mit Zwischenstationen wird so transparent, und wehe, wenn diese Daten später in die falschen Hände geraten. Dann ist er nicht nur seinen Job los, sondern kann auch die Herren Nachbarn nicht mehr zum Grillfest laden.

Streng genommen müsste unser Postbote also um sein Einverständnis gebeten werden, was er wahrscheinlich verweigern würde. So aber droht der Ärger nicht nur ihm, sondern auch der Alexa-Besitzerin. Immerhin begeht diese mit der heimlichen Aufzeichnung einen Verstoß gegen § 201 BGB. Dafür geht man schon mal ins Gefängnis.

Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte seine Gäste also warnen, Alexa ein Pause gönnen oder zumindest ein Schild an die Tür machen: „Alexa hört mit“, gut sichtbar gleich neben „Vorsicht, bissiger Hund“.

Alexa kauft ein

Die Zahl der Fälle hält sich in Grenzen, doch das Medienecho ist groß: Wirft Alexa (hier immer stellvertretend für alle anderen digitalen Medienassistenten) versehentlich ein paar Produkte zu viel in den Warenkorb, wird das auf der Kreditkarte sichtbar. Der Vorgang ist ärgerlich, bedarf der Klärung (zunächst innerfamiliär, gerade wenn 5x Nutella oder ähnliches zu viel angekommen sind), ist sonst aber nicht weiter von Brisanz. 14 Tage Rückgaberecht gelten schließlich auch beim Alexa-Shopping.

Frau mit Smart Home App

Weitere Artikel

Kommentare