Was ist eine Zeugenaussage?

Freitag, 09.06.2017

Die Zeugenaussage dient der Wahrheitsfindung. Sie soll zur Aufklärung eines Sachverhalts beitragen, von dem Sie als Zeuge Kenntnis haben. Bei dem Sachverhalt kann es sich zum Beispiel um die Umstände eines Verkehrsunfalls oder einer möglichen Straftat handeln.

Als Zeuge haben Sie Rechte und Pflichten. Grundsätzlich geht es aber darum, Ihre Wahrnehmungen zu schildern – also zum Beispiel eine Beobachtung im Zusammenhang mit dem jeweiligen Delikt. Möglich ist aber auch, dass Sie über die Wahrnehmungen Dritter berichten sollen, von denen Sie Kenntnis erlangt haben. Die Aussage sollte sachlich und wahrheitsgetreu erfolgen. Eine Einordnung oder Bewertung wird üblicherweise nicht vom Zeugen erwartet. 

Wie kommt es zu einer Zeugenaussage?

Eine Zeugenaussage kann bei der Polizei, Staatsanwaltschaft oder vor Gericht erfolgen. Dabei gilt: Erhalten Sie eine Zeugenvorladung des Staatsanwalts oder Gerichts, ist dieser Folge zu leisten. Sie sind zum Erscheinen verpflichtet. Sendet Ihnen die Polizei eine Ladung zur Zeugenaussage, müssen Sie dieser aus rechtlicher Sicht nicht Folge leisten, auch wenn dies im Sinne der Aufklärung wünschenswert wäre. Die Strafprozessordnung schreibt zumindest keine Zeugen-Pflicht bei den Polizeibehörden fest.   

Was ist der Sinn einer Zeugenaussage?

Die Behörden beziehungsweise das Gericht versuchen, sich ein möglichst objektives Bild vom jeweiligen Sachverhalt zu verschaffen. Dabei sind sie auch auf Zeugenaussagen angewiesen, um zu einer Beurteilung zu kommen. Die Zeugenaussage ist also ein entscheidender Faktor im Vorfeld oder während eines Verfahrens. Falschaussagen können gravierende Folgen haben, zum Beispiel Fehlurteile.

Sind Sie zur Zeugenaussage verpflichtet?

Ja, es besteht eine Aussagepflicht, auf Verlangen auch unter Eid. Doch es gibt Ausnahmen. Auf das Zeugnisverweigerungsrecht können Sie sich vor allem dann berufen, wenn Sie einen nahen Verwandten oder sich selbst mit der Aussage belasten würden. Auch berufliche Schweigepflichten können zu einer berechtigten Verweigerung führen. 

Verweigern Sie die Aussage ohne berechtigten Grund, können Sie dafür belangt werden. Ordnungsgelder sind ebenso möglich wie Ordnungshaft. Auch eine Haftstrafe zur Aussage-Erzwingung ist zulässig. Mit diesen Möglichkeiten trägt der Gesetzgeber der Tatsache Rechnung, dass Sie als Zeuge im Sinne des Rechtsstaats handeln. Tun Sie dies nicht, kann das geahndet werden.

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