Was ist das Wechselmodell?

Mittwoch, 28.03.2018

Eltern tragen Verantwortung für ihre Kinder. Das gilt ebenso nach einer Trennung. Das Wechselmodell sieht vor, dass auch getrennt lebende Eltern ihre Kinder paritätisch betreuen. Das Modell gewinnt gesellschaftlich immer mehr an Bedeutung.

Die Zeiten, in denen das Kind nach der Scheidung automatisch bei der Mutter lebte, scheinen endgültig vorbei zu sein. So hat der Bundesgerichtshof 2017 entschieden (Az.: XII ZB 601/15), dass die Familiengerichte das Wechselmodell notfalls auch gegen den Willen eines Elternteils anordnen können. Die FDP fordert im Bundestag die Einführung des Wechselmodells als Regelfall. Der gesellschaftliche Wandel ist also auch hier voll im Gange.

Hintergründe zur Kindesbetreuung

Nach einer Scheidung obliegt es den Eltern, sich im Sinne des Kindeswohls auf die künftige Betreuung des Nachwuchses zu verständigen. In Frage kommen grundsätzlich drei Modelle:

  • Residenzmodell: Das Kind lebt hauptsächlich bei einem Elternteil.
  • Erhöhter Umgang: Das Kind lebt hauptsächlich bei einem Elternteil, der Unterhaltspflichtige nimmt sein Umgangsrecht jedoch verstärkt wahr.
  • Wechselmodell: Das Kind lebt bei beiden Elternteilen zu gleichen Teilen.

Sind sich die Eltern einig, können sie sich auf das gewünschte Modell verständigen, wobei sich auch der zu zahlende Unterhalt nach dem Lebensmittelpunkt des Kindes richtet: Wer weniger Zeit mit dem Kind verbringt, also eine geringere Betreuungsleistung erbringt, zahlt mehr Unterhalt. Beim Wechselmodell erfolgt der Ausgleich dagegen nur gemäß Einkommen. Ein Beispiel: Verdient die Mutter 2.000 Euro netto und der Vater 4.000 Euro, müsste der Vater zwei Drittel des Barunterhalts übernehmen, die Mutter ein Drittel.

Kommen die Eltern nicht zu einer Einigung, was leider häufig der Fall ist, entscheidet das Familiengericht. Dabei wird auch genau festgelegt, welche Umgangsrechte der unterhaltspflichtige Partner besitzt. Die Grenzen zwischen den Modellen sind dabei fließend. Auch beim Wechselmodell wird in der Praxis kaum eine Aufteilung 50:50 erreicht.

Voraussetzungen für das Wechselmodell

Ein Wechselmodell kann nicht gegen den Willen des Kindes erfolgen, dessen Wohl im Vordergrund steht. Das vertrauensvolle Verhältnis zu Vater und Mutter ist also die wichtigste Voraussetzung.

Daneben müssen die Eltern räumlich und zeitlich in der Lage sein, die Betreuung zu übernehmen. Das setzt zum Beispiel voraus, dass die Entfernung nicht zu groß ist und beide Wohnungen kindgerecht eingerichtet sind. 

Vor- und Nachteile des Wechselmodells

Das Wechselmodell setzt ständige Absprachen der Eltern voraus. Führt dieser Prozess zum Dauerstreit, leidet auch das Kind und fühlt sich im schlimmsten Fall als Spielball der elterlichen Zerwürfnisse. Es wird den Wechsel schnell als Belastung empfinden.

Läuft alles reibungslos, kann der Orts- und Betreuungswechsel dagegen eine Bereicherung darstellen, nicht nur für das Kind. Auch beide Elternteile gewinnen Freiräume und werden entlastet, ohne den festen Bezug zum Kind zu verlieren.

Übergabe des Kindes zwischen den Eltern

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