Vormundschaft: Welche Rechte und Pflichten hat ein Vormund?

Samstag, 25.11.2017

Wird die Fürsorge für eine minderjährige und damit unmündige Person gesetzlich geregelt, spricht man von einer Vormundschaft. Der Vormund übernimmt dabei die volle Verantwortung für alle Lebensbereiche des Kindes (Mündels).

Über die Vormundschaft bestimmt in Deutschland das Familiengericht. Eine Berufung als Vormund darf nicht ohne ausreichenden Grund abgelehnt werden (§ 1785 BGB). Zu diesen Gründen zählen zum Beispiel ein hohes Alter, eine schwere Krankheit oder die Überlastung durch mehr als drei weitere Kinder. Im Regelfall ist jeder Deutsche zur Übernahme einer Vormundschaft verpflichtet.

Hinweis: Erwachsene können in Deutschland nicht unter Vormundschaft gestellt werden. Sie werden nach gerichtlicher Anordnung betreut, aber nicht entmündigt.

Welche Aufgaben hat ein Vormund?

Der Vormund trägt die Verantwortung für das Mündel, das selbst (noch) nicht geschäftsfähig ist. Er muss sich also um die Belange des Kindes kümmern, was sowohl die Betreuung seines Vermögens als auch den persönlichen Kontakt einschließt. Unter Vormundschaft werden Kinder immer dann gestellt, wenn die Eltern nicht zu ermitteln sind oder die Sorge nicht übernehmen können. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Mutter ohne feste Partnerschaft selbst noch minderjährig ist.

Wer die Vormundschaft übernimmt, entscheidet das Familiengericht. Bei einer bestellten Vormundschaft (und einer bestellten Amtsvormundschaft) übernimmt in der Regel das Jugendamt diese Aufgabe. Eltern minderjähriger Kinder können vor ihrem Tod einen Vormund benennen, der im Todesfall die Vormundschaft antritt. Kinder ab 14 Jahren haben ein Mitspracherecht.

Wer selbst die Vormundschaft für ein Kind übernehmen will, kann sich an das Jugendamt wenden. Dort werden Schulungen angeboten und es wird zugleich geprüft, ob der Bewerber der Verantwortung gewachsen ist.

Neben privaten können auch hauptamtliche Vormundschaften geschlossen werden, vor allem mit Sozialarbeitern und Pädagogen, aber auch mit den Mitgliedern eines rechtsfähigen Vereins.

Rechte und Pflichten des Vormunds

In der beruflichen Vormundschaft ist neben der Vertretungspflicht und Vermögensverwaltung der persönliche Kontakt festgeschrieben. Dieser soll laut § 1793 „in der Regel einmal im Monat in dessen häuslicher Umgebung“ erfolgen. Es handelt sich um eine Minimalforderung.

Weit ausgedehnter sind die Rechte und Pflichten, wenn das Mündel im Haushalt des Vormunds lebt und aufwächst. Hier gelten im Grunde dieselben Sorgfalts- und Beistandspflichten wie in einer Familie zwischen Eltern und Kindern. Das schließt somit ein, dass auch das Mündel die Pflicht hat, dem Vormund in „Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten“ (& 1619 BGB)...     

Vormundschaft für unbegleitete Flüchtlingskinder

Eine besondere Aktualität hat das Thema der Vormundschaft mit der Einreise von zehntausenden unbegleiteten Flüchtlingskindern in Deutschland bekommen. Einzelvormundschaften, die beim Familiengericht beantragt werden können und dann über das Jugendamt führen, können den Kindern die Eingewöhnung wesentlich erleichtern. Während sich auf dem Amt ein Betreuer um Dutzende Mündel kümmern muss – was die Möglichkeiten der individuellen Förderung stark beschränkt – hat der Einzelvormund weit bessere Möglichkeiten. Schon aus diesem Wissen stehen die Jugendämter dem Thema offen gegenüber, die Eignung des Vormunds vorausgesetzt.

Frau betreut Kinder

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