Verklagt werden – was bedeutet das?

Mittwoch, 10.05.2017

Eine unbezahlte Forderung oder Ärger mit dem Nachbarn – schon flattert Ihnen eine Klageschrift ins Haus. Zugestellt wird das Schreiben vom Gericht. Aber was folgt daraus, verklagt zu werden?

In Deutschland kann jeder seine Ansprüche gerichtlich geltend machen. Es genügt das Einreichen einer formal korrekten Klageschrift beim Gericht, die den Streitgegenstand beschreibt. Meist wird dieses Schreiben von einem Rechtsanwalt verfasst, zwingend erforderlich ist dies aber nicht.

Als Beklagter sollten Sie bei Zustellung der Klageschrift Ruhe bewahren. Die Entscheidung über Recht und Unrecht ist weiterhin offen und auch Sie werden in der Folge gehört.

Verklagt: Was passiert mit Zustellung der Klageschrift?

Als Beklagter sind Sie zunächst aufgefordert, zum Gegenstand der Klage Stellung zu beziehen, also Ihre Sicht der Dinge schriftlich darzulegen. Diese Ausführungen sind wichtig und sollten möglichst schlüssig, sachorientiert und gut belegt sein. Das Schreiben wird – fristgerecht, sonst droht ein Versäumnisurteil – dem Richter überstellt und geht in Kopie an den Kläger oder dessen Vertreter.

Dem Richter liegen damit die Standpunkte beider Parteien vor. Auf dieser Basis wird er entscheiden, ob es sofort zu einer mündlichen Verhandlung kommt oder ob im Vorfeld weitere Informationen eingeholt werden müssen. Im ersten Fall erhalten Sie einen Termin zur mündlichen Verhandlung, im zweiten beginnt das schriftliche Vorverfahren. Das Gericht wird dabei von Kläger und / oder Beklagtem weitere Informationen anfordern, die der jeweils anderen Partei in Kopie zur Kenntnis gebracht werden. So hat jeder Beteiligte die Chance, auf die Darstellung des anderen zu reagieren.

Mit der Eröffnung der mündlichen Verhandlung stellt der Kläger seinen Antrag, Sie ersuchen um Klageabweisung. Für die Entscheidung des Richters wird ein Verkündungstermin benannt, der meist keine Anwesenheit erfordert. Die schriftliche Entscheidung geht Ihnen erst einige Wochen später zu.    

Welche Kosten entstehen Ihnen?

Das Kostenrisiko liegt zunächst beim Kläger. Er muss einen Kostenvorschuss (dreifache Gerichtskosten) leisten, anderenfalls wird die Klageschrift nicht zugestellt.

Wer am Ende welche Kosten trägt, hängt am Verlauf und Ausgang des Verfahrens. Bei einem Vergleich  – den meisten Prozessen geht ein Güteversuch voraus – werden die Kosten gesplittet. Anderenfalls trägt die unterlegene Partei die Anwalts- und Gerichtskosten inklusive Gutachterkosten.        

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