Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Samstag, 24.02.2018

Benötigen die eigenen Eltern, der Lebenspartner oder ein Kind plötzlich Pflege, verändert das auch das Leben der Angehörigen. Oft geht es zugleich um die Frage, wie sich Pflege und Beruf in Einklang bringen lassen. Zeit- und Finanzbudget spielen dabei ebenso eine Rolle wie das Wissen um den richtigen Umgang mit dem Pflegebedürftigen.

Der Gesetzgeber hat in Deutschland zahlreiche Regelungen getroffen, um die Pflege durch Angehörige zu ermöglichen. Ohne Einschränkungen wird eine umfassende Pflege auch hier nicht möglich sein, doch die Hilfen sind mannigfaltig und praxisorientiert. So regelt das Arbeitsgesetz die Pflichten zur Freistellung und die Pflegeversicherung leistet monatliche Zahlungen und unterstützt mit gezielten Schulungen. Hier ein Überblick.

Hinweis: Als Pflegeperson gilt, wer (nicht-erwerbsmäßig) mindestens zehn Stunden pro Woche für die Pflege im häuslichen Bereich aufwendet. Voraussetzung: Pflegestufe 2 bis 5.

Pflege, eine Frage der Zeit

Pflegezeit

Nahe Angehörige haben ein Recht auf Pflegezeit, unabhängig von der Pflegestufe des Betroffenen. In Unternehmen mit mehr als 15 Mitarbeitern ist der Arbeitgeber verpflichtet, die Pflegeperson für einen Zeitraum von sechs Monaten freizustellen. Der Lohn wird in dieser Zeit nicht weitergezahlt.  

Familienpflegezeit

Die Familienpflegezeit geht noch darüber hinaus. Auch hier besteht ein Rechtsanspruch, allerdings nur in Betrieben mit mehr als 25 Beschäftigten. In der Familienpflegezeit, die maximal 24 Monaten dauern kann, darf die wöchentliche Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden reduziert werden, um Zeit für die Pflege zu gewinnen. Die Freistellung ist mindestens acht Wochen vor Antritt zu beantragen. Es besteht die Möglichkeit, dass mehrere Angehörige parallel oder in Folge Familienpflegezeit beanspruchen. Der Lohn wird in dieser Zeit anteilig gezahlt.  

Pflegeorganisation

Gerade zu Beginn der Pflege muss viel organisiert werden. Nahe Angehörige können sich für die Dauer von zehn Tagen freistellen lassen, um entsprechend tätig zu werden. Das gilt unabhängig von der Unternehmensgröße. Der Lohn wird in dieser Zeit nicht weitergezahlt, es gibt aber Pflegeunterstützungsgeld (im Regelfall 90 Prozent des Nettogehaltes).  

Pflege, eine Frage des Knowhows

Die Pflegekassen sind verpflichtet, unentgeltlich Schulungen anzubieten. Diese finden zum Beispiel an den Volkshochschulen statt, können auf Wunsch aber auch in individueller Form am Pflegeort abgehalten werden. Die Kurse in öffentlichen Räumen bieten zugleich die wichtige Möglichkeit, sich mit anderen Pflegekräften auszutauschen.   

Pflege, eine Frage des Geldes

Pflegende Angehörige werden in vielen Formen finanziell unterstützt, wobei es immer nur um eine Grundabsicherung gehen kann.

Pflegegeld

Das Pflegegeld wird monatlich gezahlt (im Regelfall an den zu Pflegenden). Es richtet sich in seiner Höhe nach der Pflegestufe und der Frage, ob eine Demenz vorliegt. Der Höchstbetrag liegt derzeit bei 901 Euro im Monat. Das Pflegegeld ist nicht steuerpflichtig.

Versicherungen

Für die Pflegeperson gelten zudem verschiedene Formen der sozialen Absicherung. So zahlt die Pflegeversicherung Rentenversicherungsbeiträge, wobei sich die Höhe nach dem Pflegegrad und den erbrachten Leistungen richtet. Auch die Unfall- und Arbeitslosenversicherung ist geregelt.

Urlaub

Auch für Pflegekräfte besteht ein Urlaubsanspruch. Er beträgt maximal sechs Wochen im Jahr und tritt in Kraft, wenn die Pflege seit mindestens sechs Monaten geleistet wurde. Die Pflege wird in dieser Zeit von professionellen Pflegekräften übernommen.

Sonstige Leistungen

Als pflegender Angehöriger sollten Sie sich bei der Pflegekasse über alle Möglichkeiten erkundigen. So werden zum Beispiel die Kosten für benötigte Hilfsmittel wie einen Rollstuhl oder bauliche Veränderungen in der Wohnung zu großen Teilen übernommen.

Wichtig ist auch: Muss die Pflege doch in einer speziellen Einrichtung erfolgen, sind deutlich höhere Zahlungen der Kasse möglich. Das Maximum liegt bei circa 2000 Euro im Monat, wobei auch hier zahlreiche Zusatzleistungen in Anspruch genommen werden können.

Junge Frau bei älterer Dame

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