Unterhalt an den Ex-Gatten: Wer bekommt was?

Samstag, 08.04.2017

Das tut weh und kann auch noch richtig teuer werden: Da geht schon die Ehe den Bach runter, und dann muss man für den ungeliebten Ex-Mann oder die Ex-Frau auch noch Unterhalt zahlen. Aber erstmal durchatmen: Ihr Ex-Partner bekommt nicht automatisch Unterhalt von Ihnen, nur, weil Sie mehr verdienen als er. Wir erklären die rechtliche Lage bei Ehescheidungen.

Der Ehegattenunterhalt wird in Deutschland vom Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt. Grundsätzlich muss jeder Ehegatte nach der Scheidung dafür sorgen, dass er finanziell auf eigenen Beinen steht. Auch wenn Sie vielleicht wenig verdienen, sollten Sie sich nicht darauf verlassen, Unterhalt von Ihrem Ex-Mann oder Ihrer Ex-Frau zu bekommen. Es ist außerdem ein weit verbreiteter Irrtum, dass man automatisch Unterhalt vom Ex-Gatten bekommt, sobald dieser mehr verdient als man selbst. Sie müssen erst eine Bedürftigkeit nachweisen. Zudem ist die Kinderbetreuung der wichtigste Grund für einen Unterhaltsanspruch an den Ex-Partner.

Wichtiger Unterschied: Kindesunterhalt und Betreuungsunterhalt

Wenn nach der Trennung noch Kinder bei einem Ehegatten leben, hat diese Person automatisch einen Anspruch auf Kindesunterhalt von dem Ex-Partner. Darüber hinaus bekommt die Betreuungsperson nur noch zusätzlichen Unterhalt, wenn sie besondere Umstände vorweisen kann.

Ist das zu betreuende Kind noch unter drei Jahren, so wird zum Beispiel die alleinerziehende Mutter nicht gezwungen, gleich wieder arbeiten zu gehen. Um sich angemessen um das Kind kümmern zu können, bekäme sie dann von ihrem Ex-Mann Betreuungs- oder Basisunterhalt (§ 1570 BGB). Sobald das Kind drei Jahre alt ist, ist die Mutter verpflichtet, wieder eine Teilzeitstelle anzutreten. Zudem wird erneut geprüft, ob dann noch ein Anspruch auf Betreuungsunterhalt besteht.

Unterhaltsanspruch wegen Arbeitslosigkeit

Kann einer der Ex-Gatten nachweisen, dass er nach der Scheidung arbeitslos ist, obwohl er sich um eine Stelle bemüht, so kann er von seinem geschiedenen Partner Unterhalt verlangen. Es reicht aber nicht, einfach nur beim Jobcenter gemeldet zu sein. Er oder sie muss beweisen können, dass er trotz eigener Anstrengungen keine angemessene Erwerbstätigkeit findet (§ 1573 BGB). Unter Umständen muss der Antragsteller 20 Bewerbungen pro Monat nachweisen oder an einer Fortbildung teilnehmen.

Aufstockungsunterhalt, Altersunterhalt und Unterhalt wegen Krankheit

Der Aufstockungsunterhalt betrifft Ex-Ehepaare, bei denen einer mehr verdient als der andere. Der „ärmere“ Ex-Partner bekommt Unterhalt vom geschiedenen Gatten, wenn er einer Arbeit nachgeht, damit aber trotzdem den aus der Ehe gewohnten Lebensstandard nicht einhalten kann. Keine Angst, hier geht es nicht darum, der verwöhnten Ex-Frau den Luxusurlaub zu bezahlen. Der Aufstockungsunterhalt soll vielmehr dazu dienen, dass der ärmere Ex-Gatte weiterhin seine Versicherungen zahlen kann, um im Falle von Krankheit oder Berufsunfähigkeit nicht mit leeren Händen da zu stehen (§ 1578 BGB).

Weiterhin gibt es einen Unterhaltsanspruch an den Ex-Gatten, wenn man nachweisen kann, dass man aus gesundheitlichen Gründen keine Arbeit annehmen kann oder aus Altersgründen keine Arbeit mehr findet.

Keine Panik: Nur wer flüssig ist, muss zahlen

Die Unterhaltszahlungen an den Ex-Gatten sollen nicht den eigenen Lebensstandard beeinflussen. Der Zahlende hat immer den Anspruch auf einen so genannten Selbstbehalt. Laut der Düsseldorfer Tabelle beträgt dieser 1.200 Euro im Monat. So viel bleibt Ihnen immer, auch wenn Sie Unterhalt an einen geschiedenen Ehepartner zahlen müssen. Der Betrag, der die 1.200 Euro übersteigt, wird mit den Ansprüchen Ihres Ex-Partners verrechnet. Es wird übrigens immer von Fall zu Fall entschieden, wie lange der Unterhaltsanspruch besteht. Einen Anspruch auf lebenslangen Unterhalt vom Ex-Gatten gibt es grundsätzlich nicht.

Textbezogene Paragraphen:

§ 1659 ff BGB, § 1570 BGB, § 1573 BGB, § 1578 BGB

Getrenntes Paar streitet beim Anwalt

Weitere Artikel

Kommentare