Überholen einer Kolonne: So fahren Sie richtig

Montag, 13.11.2017

Das Überholen einer Kolonne ist zulässig. Der Fakt allein, dass mehrere Fahrzeuge überholt werden müssen, stellt also noch keine „unklare Verkehrslage“ dar. Bei einer solchen wäre der Überholvorgang gemäß Paragraph 5 StVO grundsätzlich verboten.

Ungeachtet dessen ruft das Überholen einer Kolonne eine besondere (Gefahren-)Situation hervor. Überholen darf nur, „wer übersehen kann, dass während des ganzen Überholvorgangs jede Behinderung des Gegenverkehrs ausgeschlossen ist“. Das gilt für die Kolonne ebenso wie für jede andere Verkehrssituation.

Kolonne ist nicht gleich Kolonne

Der Begriff „Kolonne“ ist für zwei Situationen gebräuchlich, die jedoch unterschiedlich zu bewerten sind: Zum einen kann es sich bei der Kolonne um eine Reihe von Fahrzeugen handeln, die sich zum Beispiel auf einer Landstraße hinter einem Laster aufgestaut hat. Zum anderen sind zum Beispiel Bundeswehr-Konvois als gekennzeichnete Kolonne unterwegs. Das Überholen ist, so gefahrlos möglich, in beiden Fällen gestattet.

Was ist bei der gekennzeichneten Kolonne zu beachten?

Eine Kolonne, deren letztes Fahrzeug mit einer grünen Flagge, einem Blinklicht und/oder einer Warntafel versehen ist, wird in ihrer Gesamtheit als einzelnes Fahrzeug gewertet. Es ist dem Überholenden damit untersagt, sich zwischen die Fahrzeuge zu schieben (auch wenn dies in einer Gefahrensituation natürlich getan wird).

Die Kolonne darf somit nur dann überholt werden, wenn alle Fahrzeuge gefahrlos in einem Vorgang zu passieren sind. Bei längeren Kolonnen ist das oft nur auf der Autobahn möglich.

Bei einer Kolonne aus aufgestauten Fahrzeugen (also ohne Kennzeichnung) gilt diese Regelung nicht. Hier handelt es sich um Einzelfahrzeuge.           

Wie sollte man sich beim Überholen einer aufgestauten Kolonne verhalten?

Führt man sich die Situation vor Augen, lauert die Gefahr beim Überholvorgang nicht unbedingt im Gegenverkehr. Der vorderste Fahrer in der Reihe konzentriert sich nämlich auf diesen und versucht, die passende „Lücke“ zu erwischen. Sieht er seine Chance, schert er ohne Zeitverzug aus, um am langsam Vorausfahrenden vorbeizukommen. Befindet sich nun eines der hinteren Fahrzeuge aus der Kolonne bereits beim Überholen, kommt es leicht zum Zusammenstoß.

Um dies zu vermeiden, bestehen erhöhte Anforderungen an die Sorgfalt. So muss jeder Fahrer seine Überholabsicht deutlich anzeigen (Blinken, Hupen etc.) und sich beim Ausscheren versichern, dass die Spur auch in die eigene Fahrtrichtung frei ist.

Auf der Überholspur

Die größte Verantwortung bleibt also bei demjenigen, der den Überholvorgang später ansetzt. Er muss sich mit Schulterblick und unter Ausschluss des „toten Winkels“ davon überzeugen, dass das Überholen gefahrlos möglich ist.

Das hat auch das Oberlandesgericht München 2017 bekräftigt (10 U 4448/16). Die Richter machten deutlich, dass derjenige, der von hinten kommend bereits beim Überholen ist, bei einem Crash zumindest minder schwer haftet als derjenige, der neu zum Überholen ansetzt. Die genaue Beurteilung bedarf dabei stets der Analyse der konkreten Situation, als realistisch gilt jedoch eine Lastenteilung von 4:1. Mit der Mitschuld des bereits Überholenden von 20 Prozent wird auch der allgemeinen Betriebsgefahr durch das Fahrzeug Rechnung getragen.

Fazit

Die gängige Einschätzung, dass sich der Hintere in der Kolonne hätte gedulden müssen, ist rechtlich zumindest nicht relevant. Hat ein Fahrer zum Überholvorgang angesetzt, muss ihm die ungehinderte Weiterfahrt garantiert werden. Vorausfahrende Fahrer, die ebenfalls überholen wollen, müssen also die nächste Gelegenheit abwarten.  

Grundsätzlich gilt, es sei in diesem Zusammenhang zitiert: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“ (§1 StVO)

Auto beim Überholen

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