Tücken beim Grundstückskauf – Worauf Sie achten sollten

Sonntag, 21.01.2018

Der Grundstückskauf ist eine langfristige Entscheidung, gerade wenn man selbst vor Ort leben möchte. Im Vorteil ist, wer die Region aus Kindes- und Jugendtagen bereits kennt und Kontakte vor Ort besitzt. Die Gefahren einer Fehlinvestition sinken damit deutlich.

Ob ortskundig oder nicht: Jeder Grundstückskäufer muss sich im Vorfeld mit finanziellen, rechtlichen und praktischen Problemen auseinandersetzen. Im Fokus steht die Frage, welche Vorstellungen realisiert werden können und welche zwangsläufig auf der Strecke bleiben.

Prioritäten setzen

Wer Kompromisse beim Grundstückskauf ablehnt, erspart sich Enttäuschungen. Allerdings kann es Jahre dauern, bis der passende Ort für das neue Zuhause gefunden ist. Oft genug endet der Traum vom Eigenheim dann „in Lauerstellung“ in einer angemieteten Wohnung. Ist das richtige Grundstück endlich entdeckt, hat sich das Zeitfenster womöglich schon geschlossen.

Der bessere Weg ist es, eine Prioritätenliste zu erstellen, die ein Mindestmaß an Flexibilität beim Grundstückskauf erlaubt. Beispiel: Das Grundstück sollte möglichst nah an der Stadtgrenze liegen, darf aber in keinem Fall weiter als 30 km entfernt sein. Es soll eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel besitzen, 15 Minuten mit dem Rad zum Bahnhof sind aber im Bereich des Möglichen. Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Scheuen Sie sich nicht, die einzelnen Punkte abzuhaken, wenn ein Grundstückskauf geprüft wird. Abweichungen vom Ziel werden so deutlich und lassen sich schlechter ignorieren.

Pläne mit örtlichen Vorgaben abgleichen

Die geplante Nutzung des Grundstücks ist der wichtigste Punkt bei der Kaufentscheidung. Planen Sie zum Beispiel ein dreistöckiges Drei-Generationen-Haus, macht die beste Lage keinen Sinn, wenn hier nur Zweigeschosser zugelassen sind. Ähnliches gilt für die Realisierung eines modernen Bauvorhabens in Regionen, in denen nur ohnehin nur Gebäude in historischer Bauweise zugelassen werden.

Grundbuch gründlich lesen

Alle wichtigen Informationen zu Ihrem Wunsch-Grundstück finden Sie im Grundbuch. Das Spektrum der Einträge reicht von den Besitzverhältnissen über mögliche Schulden, die auf dem Gelände lasten bis hin zu verbrieften Nutzungsrechten Dritter. Umso erstaunlicher, dass häufig Kaufverträge zustande kommen, die durch die Grundbuch-Lektüre sicherlich verhindert worden wären. Im selben Atemzug ist auch der Bebauungsplan zu nennen: Darin steht, was und vor allem wie gebaut werden darf. Für Bauherren ist das Gesetz, die Kenntnis davon also zwingend erforderlich.

Finanzplanung mit Lücken

Statistisch gesehen kostet der Quadratmeter Bauland in Deutschland derzeit 150 Euro. Damit lässt sich natürlich wenig anfangen, denn die Schwankungen sind enorm. Immer aber gilt: Der Grundstückspreis allein sind nicht die Kosten. Je nach Bundesland kommen allein durch die Grunderwerbssteuer 3,5 bis 6,5 Prozent obendrauf. Damit sind Makler, Notar, Versicherungen und vielerlei Gebühren aber noch lange nicht bezahlt.

„Überraschende“ Kosten

Nichts lässt sich besser planen als Kosten – vielleicht sind wir gerade deswegen häufig so überrascht, wenn plötzlich horrende Rechnungen zu bezahlen sind. Beim Grundstückskauf gibt es gleich mehrere „Chancen“ für solche Überraschungen. Da wäre zum Beispiel die Altlast Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg. Wurde das Grundstück bereits auf Kampfmittel untersucht? Auch das halbverfallende Haus auf dem Grundstück beugt sich dem Spruch „Das ist in vier Stunden aufgeladen und weggeräumt…“ oft nicht. Spätestens mit den Asbestplatten kommen die Kosten und die Probleme. Schließlich wären dann auch noch mögliche Pläne beim Straßenausbau zu nennen, die ins Geld gehen können.

Fazit: Wer ein Grundstück kauft, sollte sich professionelle Hilfe holen. Diese bieten zum Beispiel Bausachverständige und Notare. In fremden Regionen raten wir dazu: Nehmen Sie sich Zeit und erkunden Sie die Gegend. Wie sagt man so schön? Lernen Sie Land und Leute kennen, bevor Sie sesshaft werden.   

Leerstehendes Grundstück

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