Trennungsjahr: Das sollten Sie darüber wissen

Sonntag, 12.11.2017

Schluss, aus, vorbei – diese Ehe ist am Ende. Aber ist sie das wirklich? Das Bürgerliche Gesetzbuch schreibt den Partnern vor, die Trennung noch ein Jahr zu überdenken. Mit diesem verpflichtenden Trennungsjahr sind auch einige rechtliche Fragen verbunden.

Eine Scheidung setzt das Trennungsjahr voraus. Spätestens zum Scheidungstermin muss es abgelaufen sein. Das bedeutet zugleich, dass der Antrag auf Scheidung circa zwei bis drei Monate vor Ablauf des Trennungsjahres eingereicht werden kann. Die verbleibenden Monate werden durch die Terminierung der gefragten Familiengerichte automatisch überbrückt. 

Wozu dient das Trennungsjahr?

Schlagen die Emotionen in einer Ehe hoch, ist schnell von Scheidung die Rede. Ein anderer Ausweg scheint in der Hitze des Gefechts nicht denkbar – ist es aber vielleicht doch. So hilft die Zeit vor überhasteten Entschlüssen. Das gilt auch dann, wenn es letztlich doch zur Scheidung kommt.

Das Trennungsjahr hilft zugleich, die veränderte Situation zu überblicken. Schließlich müssen eine Vielzahl an gravierenden Entscheidungen getroffen werden, zu den Kindern, den künftigen Wohnorten, den gemeinsamen Vermögenswerten oder Schulden und natürlich zum Unterhalt. Viele Fragen lassen sich mit einigen Monaten Vorlauf solider klären.

Was passiert im Trennungsjahr?

Die Zeit, in der die Partner Bett und Tisch miteinander geteilt haben, ist vorbei. Ganz klar wird das, wenn einer der Partner die eheliche Wohnung verlässt und sich der Kontakt auf ein Mindestmaß beschränkt. Bleiben die Partner in einer Wohnung, wozu sie in vielen Fällen schon aus finanziellen Gründen gezwungen sind, muss die Trennung dennoch gelebt werden. Das heißt: Jeder kocht, wäscht und lebt für sich. Kommt es zwischenzeitlich wieder zur Annäherung, ist das sicherlich kein Problem (um diesen Versuch geht es schließlich). Wird das „alte Leben“ dagegen fast unverändert fortgesetzt, läuft auch kein Trennungsjahr.

Hinweis: Das Trennungsjahr muss nicht beantragt, eventuell aber später nachgewiesen werden. Gerade wenn der Trennungswunsch einseitig ist, sollte er (auch) schriftlich erfolgen.

Welche finanziellen Auswirkungen bestehen?

Steuerlich haben die Noch-Eheleute die Wahl, können also auch weiterhin eine gemeinsame Veranlagung wählen. Sie müssen aber nicht.

Die wichtigste finanzielle Neuregelung besteht im Trennungsunterhalt. Damit wird sichergestellt, dass der finanziell stärke Partner innerhalb fester Regeln für den Unterhalt des anderen aufkommen muss. Von essentieller Bedeutung ist das gerade in Fällen, in denen ein Partner (noch immer meist die Frau) den Haushalt geführt hat und somit kein eigenes Einkommen besitzt.

Der Trennungsunterhalt gilt für die Zeit bis zur Scheidung – hat mit den nachehelichen Regelungen also zunächst nichts zu tun. Fragen des Zugewinnausgleichs werden erst bei der Scheidung geklärt. Kommt es im Trennungsjahr zu Unregelmäßigkeiten, zweigt also einer der Partner höhere Beträge ab, wird dies in die Berechnung einbezogen.    

Trennungsunterhalt in Kürze

Die Zahlung von Trennungsunterhalt setzt mehrere Punkte voraus. Dazu zählen die Trennung selbst und die Zahlungsfähigkeit des finanzstärkeren Partners (Selbstbehalt 1.200 Euro). Zudem muss beim finanzschwächeren Partner Bedürftigkeit bestehen.

Ist zum Beispiel die Frau bisher zuhause geblieben, kann sie im Trennungsjahr auch nicht zur Arbeitsaufnahme verpflichtet werden. Nach dessen Ablauf sieht das anders aus, insofern keine kleinen Kinder zu versorgen sind. Der Verzicht auf Trennungsunterhalt ist dem schwächeren Partner nicht gestattet, da anderenfalls womöglich Sozialleistungen vom Staat gezahlt werden müssten.

Wie hoch der Trennungsunterhalt ausfällt, wird im Einzelfall berechnet. Grundlage sind die Bruttoeinkommen abzüglich bestimmter Vorsorgewerte, letztlich also ein bereinigtes Nettoeinkommen. Eine Tabelle wie beim Kindesunterhalt gibt es nicht.

Woher weiß ich die Einkommensverhältnisse meines Partners?

Es besteht eine Offenlegungspflicht in allen Belangen. Wird diese nicht erfüllt, holt das Familiengericht die Informationen direkt beim Arbeitgeber, den Banken und dem Finanzamt ein.  

Planung für die Zukunft

Das Trennungsjahr geht einem neuen Lebensabschnitt voraus, in dem wenig bleibt, wie es vorher war. Die Partner sind gut beraten, in der Zeit des Trennungsjahres in finanziellen Fragen einvernehmliche Lösungen zu finden und diese gegebenenfalls notariell beglaubigen zu lassen. Anderenfalls wird ein Teil des gemeinsamen Besitzes künftig Anwälten gehören.

Zu den finanziellen Dingen, die geklärt werden müssen, gehören zum Beispiel gemeinsame Konten und Versicherungen sowie der Umgang mit Immobilienbesitz. Daneben ergibt sich eine Vielzahl an Erwägungen, bei denen die Finanzen im Hintergrund stehen. Das betrifft zu allererst die Erziehung der Kinder, aber auch praktische Fragen wie die Nutzung der bisherigen Mietwohnung.

Paar getrennt

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