Trennung: Wer muss aus der Wohnung raus?

Freitag, 16.02.2018

Eine Trennung ist schmerzlich, führt aber auch zu ganz praktischen Problemen. Wenn die Partner zusammen wohnen, ist eine der zentralen Fragen: Wer muss sich denn nun eine neue Bleibe suchen? Allein an den Besitzverhältnissen hängt das nämlich nicht.

Wer zusammen wohnt, genießt zunächst einmal dieselben Rechte, was die Nutzung der Räumlichkeiten betrifft. Dabei spielt keine Rolle, ob die Wohnung einem der Partner gehört. Entscheidender im Streitfall ist, wer die Räume dringender benötigt. Das bedeutet: Gibt es Kinder, hat der Betreuende die weit besseren Karten.

Vor die Tür gesetzt?

Den oder die leidige(n) Ex einfach vor die Tür zu setzen ist in den meisten Fällen nicht gestattet. Eine Ausnahme besteht lediglich in Fällen häuslicher Gewalt. Hier entscheidet das Familiengericht regelmäßig im Sinne des Opfers, das geschützt werden muss. Der Täter wird aufgefordert, das Haus zu verlassen. Verbale Ausfälligkeiten genügen hier meist nicht, die ernsthafte Androhung körperlicher Gewalt kann aber zum Rauswurf per Gesetz führen.

Zum Wohle des Kindes

In einer Ehe mit Kindern hat das Kindeswohl Priorität. Wohnt das Kind bei einem der Scheidungspartner, muss dieser auch über die notwendigen Räume verfügen. Besteht für den anderen Partner kaum Aussicht auf eine neue Bleibe, kann das Gericht auch eine Aufteilung der Räume im Trennungsjahr verfügen. Die Noch-Partner bleiben also zunächst in derselben Wohnung, erhalten aber unterschiedliche Schlafzimmer und feste Nutzungszeiten für Küche und Bad.

Nichts übereilen

Wird die Situation in der Wohnung unerträglich, entschließen sich viele Partner spontan zum Auszug – und werden dafür im Freundeskreis beglückwünscht. Geht die Sache schief, weil eine eigene Wohnung nicht zu bezahlen ist, kann die Rückkehr allerdings schwer werden. Meist gilt das Wohnrecht nach sechs Monaten als verwirkt.

Tauscht ein Partner einfach die Schlösser aus, während der andere vielleicht gerade das Abendessen besorgt, droht ebenfalls Ungemach. Der Einlass erfolgt dann nicht mit dem Schlüssel, sondern per Einstweiliger Verfügung.

Das Familiengericht entscheidet

Egal ob gemietet oder gekauft, Besitzer oder Mieter, Mann oder Frau, letztlich entscheidet das Familiengericht. Dabei genießt weder der Wohnungseigner noch der Allein-Unterzeichner des Mietvertrages wesentliche Vorteile. Um keine böse Überraschung zu erleben, bleiben nur zwei Wege: sich einigen oder die gemeinsame Liebe neu zu entdecken. Bei einer Einigung hilft auf Nachfrage auch die kommunale Familienberatung. 

Paar in Trennung mit Kind

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