Stromabrechnung stimmt nicht – Das ist zu tun

Montag, 08.01.2018

Einmal im Jahr liegt sie im Briefkasten: die Stromabrechnung. Meist fällt der Stromabschlag für die nächsten zwölf Monate etwas höher aus, selbst wenn keine Nachzahlung fällig wird. Was aber tun, wenn die Rechnung eine böse Überraschung birgt, hohe Forderungen enthält und offensichtlich falsch zu sein scheint?

Schätzungen gehen davon aus, dass rund drei Prozent aller Stromrechnungen Fehler enthalten. Eine Überprüfung kann also lohnen, gerade wenn der geforderte Betrag überhöht erscheint. Gehen Sie dabei nach dem folgenden Muster vor:

Überprüfung des eigenen Verbrauchs

In den meisten Fällen sind hohe Stromkosten zwar ärgerlich, aber durch ein geändertes Verhalten beim Verbrauch begründet. Überlegen Sie daher zunächst, ob sich im Jahresverlauf gravierende Änderungen für Ihren Stromverbrauch ergeben haben. Das könnten sein:

  • Neue Geräte, zum Beispiel Wärmedecken, Heizlüfter oder Computer
  • Längere Nutzungsdauer, zum Beispiel durch Arbeitslosigkeit oder Renteneintritt
  • Mehr Abnehmer, zum Beispiel durch ein Au Pair
  • Besondere Umstände, zum Beispiel Trockenlegung nach einem Wasserschaden

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Zähler voll funktionsfähig und korrekt geeicht?

Können Sie Veränderungen dieser Art ausschließen – und liegt auch kein Ablesefehler vor – sollten Sie der Sache unbedingt auf den Grund gehen. Der beste Weg dafür ist zunächst, alle Stromverbraucher komplett vom Netz zu nehmen (am einfachsten, indem Sie die Sicherungen herausnehmen). Dreht sich das Rädchen des Zählers dennoch weiter, ist entweder der Zähler defekt oder die Leitung „angezapft“.

Dokumentieren und um Klärung ersuchen

In beiden Fällen sollten Sie umgehend per Einschreiben Ihren Stromanbieter informieren. Die Zahlung des ausstehenden Betrags können Sie bis zur abschließenden Klärung zurückhalten. Eine Abschaltung des Stroms aufgrund des Zahlungsverzugs ist in diesem Fall nicht zulässig.

Da durch einen Zähler-Defekt auch Schwankungen im angezeigten Verbrauch möglich sind, sollten Sie den jeweiligen Ist-Stand am Zähler dokumentieren, zum Beispiel durch datierte Foto- oder Videoaufnahmen.

Hinweis: Sollten Sie keinen freien Zugang zum Zähler besitzen, wenden Sie sich an Ihren Vermieter oder Hausverwalter. Er ist verpflichtet, Ihnen diesen Zugang zur Überprüfung und Dokumentation zu gewähren. Ist eine regelmäßige Aufzeichnung erforderlich, muss dieser Zugang auch mehrfach gewährt werden.

Was können Sie im Streitfall tun?

Gab es in der Vergangenheit keine Querelen mit dem Stromanbieter, sind die meisten Fälle von überhöhten Rechnungen schnell geklärt. Handelt es sich ganz eindeutig um einen  Ablesefehler (neben dem Verrutschen in der Kommastelle kann es auch vorkommen, dass Sie aufgrund einer Verwechslung der Kundennummer die falsche Rechnung erhalten haben), sollten Sie dies einfach auf der Rechnung markieren und um Rücksprache bitten. Der telefonische und schriftliche Kontakt kann dabei parallel erfolgen.

Ist die Ursache für die überhöhte Rechnung für Sie nicht zu ermitteln, begründen Sie gegenüber dem Stromanbieter Ihre Zweifel und bitten Sie um die Vor-Ort-Überprüfung durch einen Sachverständigen. Erst wenn damit keine Klärung/Einigung zu erzielen ist, können Sie sich an den Verbraucherschutz und gegebenenfalls einen Rechtsberater wenden.

Ob eine Klage lohnt, sollte von einem Experten eingeschätzt werden. Neben der Höhe des strittigen Betrages und der Beweislage spielt dabei auch die Frage eine Rolle, ob im Folgejahr eine Wiederholung des Problems droht. Dagegen hilft aber nicht nur der Klageweg, sondern auch ein Anbieterwechsel. Das ist oft der günstigere Weg.

Frau mit Rechnung

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