Steuernachzahlung: Wie es zu einer Nachzahlung kommt und was Sie dagegen tun können

Dienstag, 07.11.2017

Findet sich statt der erhofften Steuererstattung eine Forderung vom Finanzamt in der Post, sollten Sie den Bescheid in Ruhe prüfen und gegebenenfalls Einspruch erheben. Chancen bestehen durchaus, denn nicht jede Steuernachzahlung ist berechtigt.    

Der begründete Einspruch gegen die Steuernachzahlung muss innerhalb einer Frist von einem Monat nach Erhalt des Bescheids erfolgen. Eine aufschiebende Wirkung für die geforderte Nachzahlung selbst hat der Einspruch allerdings nicht. 

Bei wem kann es zu einer Steuernachzahlung kommen?

Ermittelt das Finanzamt, dass Sie im betreffenden Steuerjahr zu geringe Vorauszahlungen geleistet haben, fordert es dieses Geld nach. Bei Arbeitnehmern ohne weitere Nebeneinkünfte ist das selten, denn hier erfolgt der Abzug direkt vom Lohn. In den folgenden Fällen kommt eine Steuernachzahlung jedoch häufig vor:

  • Sie sind selbständig und haben mehr verdient als prognostiziert – also zu geringe Vorauszahlungen geleistet.
  • Sie haben als Angestellter Nebeneinkünfte, zum Beispiel aus Verpachtung oder Vermietung.
  • Sie haben Freibeträge auf der Lohnsteuerkarte geltend gemacht und damit zu hohe Vergünstigungen erhalten.
  • Sie haben mehrere Arbeitgeber und nicht alle Einkünfte daraus wurden versteuert.
  • Sie werden gemäß Splittingtabelle  versteuert und Ihr Partner hat hohe Einkünfte erzielt.

Wie kommt es zu einer Nachzahlung, obwohl Sie selbst ein Plus errechnet hatten?

Es kommt immer wieder vor, dass das Finanzamt Pauschalen, Werbungskosten oder Sonderausgaben nicht anerkennt. Gerade wenn es um eine doppelte Haushaltsführung geht, kann das Ihr zu versteuerndes Einkommen relevant erhöhen.

Prüfen Sie in diesem Fall, welche Positionen aus welchem Grund nicht anerkannt wurden. Der Lohnsteuerhilfeverein oder ein Steuerberater können Sie zu den Erfolgsaussichten eines Einspruchs beraten. Erheben Sie gegebenenfalls fristgerecht Einspruch.

Was passiert nach einem Widerspruch?

Das Finanzamt wird Ihren Einspruch prüfen. Das kann zu einer Anerkennung oder auch zu einer teilweisen Anerkennung führen. Folgen Sie der Begründung des Finanzamts bei einer teilweisen Anerkennung oder Ablehnung nicht, bleibt Ihnen der Klageweg.

Was tun, wenn Sie die Forderung nicht begleichen können?

Suchen Sie bei einer temporären Zahlungsunfähigkeit das Gespräch mit dem zuständigen Sachbearbeiter beim Finanzamt. Es gibt Möglichkeiten, die Zahlung zu stunden und eine Vollstreckung aufzuschieben. Haben Sie die wirtschaftlichen Probleme nicht selbst verschuldet und sind in Ihrer Existenz gefährdet, kann das Finanzamt in seltenen Fällen auch auf eine Zahlung verzichten.

Mann sorgenvoll vor dem PC

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