Sportunfall in der Freizeit: Kann ich deswegen gekündigt werden?

Montag, 11.12.2017

Für Arbeitgeber ist die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter das größte Potential. Sie sind auch wirtschaftlich daran interessiert, dass jeder Einzelne fit bleibt. Fallen Mitarbeiter wiederholt wegen Sportunfällen aus, sind Schaden und Ärger groß. Im schlimmsten Fall steht dann sogar eine Kündigung wegen Unfall auf der Tagesordnung.

Für die körperliche Betätigung gilt wie in so vielen Bereichen: Auf das richtige Maß kommt es an. Viele Unternehmen fördern körperliche Aktivität, bieten Betriebssport oder vergünstigte Pässe für das Fitnessstudio an. Auch gegen den Entschluss des 50-jährigen Büroangestellten, nun erstmals etwas gegen die 120 Kilo zu tun, hat sicherlich niemand etwas einzuwenden. Führt die erste Tour jedoch über die Ausläufer des Mount Everest ins Krankenhaus, droht auch arbeitsrechtlich Ärger – trotz Freizeitaktivität.

Selbst verschuldete Sportunfälle

Das Arbeitsrecht unterscheidet zwischen einer unverschuldeten und einer verschuldeten Erkrankung. Entsteht eine Arbeitsunfähigkeit ohne Verschulden, besteht Anspruch auf Lohnfortzahlung. Dabei kann die Ursache ein Virus sein oder eben auch eine übersehene Rille beim Abfahrtslauf. Verschuldet der Arbeitnehmer den Unfall dagegen selbst, entfällt die Zahlungspflicht. Ist eine Wiederholung des Ausfalls wahrscheinlich, steht die Kündigung ins Haus.

Ein Sportunfall in der Freizeit kann somit zum finanziellen Verlust oder zur Kündigung führen, wenn er wider besseres Wissen selbst verschuldet wird. Nach derzeitiger Rechtsprechung ist das in folgenden Fällen gegeben oder zumindest wahrscheinlich:

  • Der Arbeitnehmer betreibt eine Sportart, der er offensichtlich nicht gewachsen ist. Das wäre zum Beispiel bei einem Marathonstart ohne jedes Vortraining der Fall.
  • Der Arbeitnehmer betreibt eine Sportart, bei der er sich unkontrollierbaren Gefahren aussetzt. Das Wäre zum Beispiel beim Wingsuit-Fliegen der Fall.
  • Der Arbeitnehmer betreibt eine übliche Sportart, ignoriert aber die Sicherheitsregeln. Das wäre zum Beispiel beim Eishockey ohne Helm und Knieschützer der Fall.
  • Der Arbeitnehmer betreibt eine Sportart, die er aufgrund von Vorverletzungen nicht betreiben darf. Er ist auch nicht bereit, den Sport an den Nagel zu hängen.

Entscheidung mit Interessensabwägung im Einzelfall nötig

Ehe eine Kündigung aufgrund von Sportunfällen in der Freizeit ausgesprochen werden kann, muss jeder Fall einzeln geprüft und begründet werden. So genügt es für die Kündigung nicht, allgemein auf die Unfall-Statistik zu verweisen, um eine Sportart als besonders gefährlich einzustufen. Ein konkreter Bezug zum Ausübenden muss immer hergestellt werden.

Da es sich um eine Freizeitaktivität handelt, ist der Arbeitnehmer völlig frei in seiner Entscheidung, welche Aktivitäten er (im Rahmen des Gesetzes) betreiben möchte. Das geht in Arbeitgeber nichts an. Die Lage ändert sich erst mit der Verletzung und den damit verbundenen Ausfallzeiten. Eine Kündigung kommt – auch bei wiederholten oder sehr langen Verletzungen – nur in Frage, wenn dem Arbeitgeber tatsächlich ein wirtschaftlicher oder betrieblicher Schaden entsteht. Ist dieser nachgewiesen, werden die somit begründeten Arbeitgeber-Interessen gegen die Interessen des unfallgeschädigten Kündigungskandidaten abgewogen. Trotz Verletzung seiner Pflichten kann dann also vor Gericht noch zu seinen Gunsten entschieden werden, zum Beispiel bei einer langen Betriebszugehörigkeit und der nahen Pensionierung.

Unfall mit Mountainbike

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