Sorgerechtsverfügung für Alleinerziehende

Freitag, 09.03.2018

Wenn Alleinerziehende sterben, erhält üblicherweise der andere Elternteil, also der leibliche Vater oder die leibliche Mutter, das Sorgerecht für das minderjährige Kind. Will der Erziehungsberechtigte einen anderen Vormund bestimmen, sollte er vor seinem Tod eine Sorgerechtsverfügung hinterlegen.

Eine Sorgerechtsverfügung ist ein spezielles Testament, in dem ein Elternteil seinen letzten Willen in Bezug auf das Sorgerecht für minderjähriges Kind hinterlegt. Gemeinsam lebende Eltern können zusammen eine Sorgerechtsverfügung aufsetzen. Stirbt nur einer von ihnen, erhält der überlebende Elternteil automatisch das alleinige Sorgerecht. Das regelt das Bürgerliche Gesetzbuch (§ 1680 Abs. 1 BGB)

Zu wem kommt das Kind?

Alleinerziehende sind hingegen häufig allein sorgeberechtigt. Wenn sie keine Sorgerechtsverfügung hinterlassen, bestimmt das Familiengericht nach ihrem Tod darüber, bei wem das Kind künftig lebt. Sprechen keine triftigen Gründe dagegen, wird das Sorgerecht per Gesetz dem anderen Elternteil übertragen (§ 1680 Abs. 2 BGB).

Falls Alleinerziehende diese Lösung ausschließen wollen, müssen sie das ausdrücklich in einer Sorgerechtsverfügung erklären. Es wird empfohlen, darin auch die Gründe darzulegen, warum der nichteheliche Elternteil die Sorge nicht übernehmen soll. Zugleich ist ein geeigneter Vormund zu benennen.

Wer kann Vormund werden?

Ein Vormund muss volljährig sein und sich damit einverstanden erklären, das Sorgerecht für das minderjährige Kind im Falle des Ablebens des Alleinerziehenden zu übernehmen. Bei größeren Kindern ab 14 Jahren ist zu bedenken, dass diese sich der Vorsorgeverfügung widersetzen können. Es empfiehlt sich daher, auch mit dem Kind über die Benennung eines Vormundes zu sprechen.

Das Familiengericht kann nur bei berechtigten Zweifeln von der Sorgerechtsverfügung abweichen. Es prüft in jedem Fall die Eignung des Vormundes. Sieht das Gericht das Wohl des Kindes gefährdet, wird das Vormundschaftsgericht eingeschaltet. Dieses ordnet dann die Vormundschaft einer geeigneten Person an.

Wie sieht eine Sorgerechtsverfügung aus?

Eine Sorgerechtsverfügung ist vollständig handschriftlich aufzusetzen und mit Vor- und Nachnamen zu unterschreiben. Es muss außerdem Ort und Datum enthalten. Geben Sie von allen benannten Personen, auch von sich selbst und Ihrem Kind, die vollständigen Namen, Anschriften (auch mit Telefonnummern) und Geburtsdaten an.

Nur Inhaber des Sorgerechts können darüber verfügen, wer vorübergehend – etwa bei schwerer Krankheit – und nach ihrem Tod für ein Kind sorgen soll.

Erziehung und Vermögensverwaltung einzeln regeln

Die Personensorge, also die Sorge um das Kind selbst, kann in der Sorgerechtsverfügung von der Vermögenssorge – der Verwaltung des Vermögens des Kindes – getrennt und auf verschiedene Personen übertragen werden. Bei Personen, die Sie per Sorgerechtsverfügung ausschließen wollen („Keinesfalls soll …“), fügen Sie zusätzlich Ihre Gründe dafür an. Es wird auch dazu geraten, mindestens eine Alternative für den Vormund anzugeben.

Beim Nachlassgericht hinterlegen

Stirbt ein Alleinerziehender, muss schnell eine Lösung für die Betreuung des minderjährigen Kindes gefunden werden. Sie können Ihre Sorgerechtsverfügung dem gewünschten Vormund geben oder sie beim Nachlassgericht des zuständigen Amtsgerichtes hinterlegen. Dort wird sie verlässlich aufgefunden und Ihr letzter Wille kann sofort umgesetzt werden. Dazu genügt es, wenn Sie Ihre handschriftlich aufgesetzte Sorgerechtsverfügung beim Amtsgericht abgeben, das für Ihren Wohnsitz zuständig ist. Nachdem Sie die Gebühr entrichtet haben (15 Euro), erhalten Sie einen Hinterlegungsschein. Sie können sich auch von einem Notar beim Aufsetzen einer rechtsgültigen Sorgerechtsverfügung beraten lassen. Dann erledigt dieser für Sie die Hinterlegung beim Nachlassgericht. Im Internet sind Muster für Sorgerechtsverfügungen veröffentlicht.

Frau mit Sorgen

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