So verhalten Sie sich bei einem Autounfall richtig

Montag, 11.09.2017

Ein Unfall ist schnell passiert. Rund 2,4 Millionen Mal kracht es pro Jahr auf Deutschlands Straßen. Bei jedem achten Unfall werden Menschen verletzt. Wir erklären, wie Sie sich bei einem Autounfall richtig verhalten.

Wer in einen Autounfall verwickelt wird, befindet sich in einer Ausnahmesituation, ganz unabhängig von der Frage der Schuld. Besonnen zu reagieren, ist hier nicht leicht. Wer schon im Vorfeld versucht, sich auf diesen Fall einzustellen, hat aber einen klaren Vorteil. Nicht zuletzt aus diesem Grund gehört dieses Wissen auch zur theoretischen Fahrprüfung.

Mit kühlem Kopf: Schritt für Schritt das Richtige tun

Zunächst einmal haben Sie als Unfallbeteiligter die Pflicht, am Unfallort zu bleiben. So durch den Unfall selbst nicht ohnehin erzwungen, müssen Sie also umgehend anhalten. Schalten Sie die Warnblinkanlage an, streifen Sie die Warnweste über und verschaffen Sie sich einen schnellen Überblick.

1.

Der erste Schritt dient der Sicherung der Unfallstelle, nicht der Versorgung von Verletzten. Intuitiv reagieren hier viele Unfallbeteiligte falsch – aber die Gefahr von Folgeunfällen ist einfach zu hoch. Eine Ausnahme besteht nur, wenn Sie offensichtlich sofort handeln müssen, um Leben zu retten.

2.

Sind mehrere handlungsfähige Personen am Unfallort, teilen Sie die notwendigen Tätigkeiten auf. Mit Erste-Hilfe-Maßnahmen kann in diesem Fall bereits begonnen werden, während eine andere Person die Unfallstelle sichert. Das bedeutet im Normalfall, in ausreichendem Abstand ein Warndreieck zu platzieren – also auf Landstraßen mindestens 100m und auf Autobahnen mindestens 200m vor der Unfallstelle.

Hinweis: Auch die Warnweste, die sich im Fonds des Wagens befinden muss, gehört zur Sicherung. Achten Sie bei Dunkelheit darauf, dass das Licht am Fahrzeug angeschaltet ist.

3.

Grundsatzentscheidung: Wie schwer ist der Unfall? Bei Bagatellschäden sollten Sie die Unfallstelle eigenständig räumen (vorher einige Fotos machen). Das gilt nicht für Unfälle mit Personenschaden oder hohem Sachschaden!

4.

Leisten Sie Erste Hilfe (bis die Rettungskräfte übernehmen) und verständigen Sie den Rettungsdienst über den Notruf 112 (oder Polizei 110, auch bei Unfallflucht). Konzentrieren Sie sich bei der telefonischen Übermittlung der Informationen auf das Wesentliche. Folgende fünf Fakten (und nicht mehr) sollten weitergegeben werden:

  • Wo ist der Unfall genau passiert?
  • Wer meldet den Unfall?
  • Was ist passiert (in Kürze)
  • Wie viele Verletzte gibt es (wahrscheinlich)?
  • Wie schwer schätzen Sie die Verletzungen ein?

Beenden Sie das Gespräch erst, wenn Sie dazu aufgefordert werden, um gegebenenfalls für Rückfragen zur Verfügung zu stehen.

Austausch von Daten

Sind alle beschriebenen Maßnahmen erfolgt – oder konnte auf das Hinzuziehen der Polizei und von Rettungskräften verzichtet werden – sollten alle Unfallbeteiligten ihre Daten austauschen. Auch die Kontaktdaten von Zeugen müssen notiert werden.

Hinweis: Geben Sie vor Ort kein Schuld-Eingeständnis ab und halten Sie sich mit Erklärungen zurück, gerade wenn die Situation strittig ist.

Die Angabe persönlicher Daten ist verpflichtend, Unfallflucht strafbar. Folgende Daten sollten Sie als Unfallbeteiligter notieren beziehungsweise bereitstellen:

  • Ort, Datum und Uhrzeit vom Unfall
  • Vollständiger Name aller Unfall-Beteiligten (Halter und Fahrer)
  • Kennzeichen und Fabrikat der beteiligten Fahrzeuge
  • Name und Adresse von Zeugen
  • Angaben zur Haftpflichtversicherung der Unfallgegner (inklusive Nummer des Versicherungsscheins)
  • Kurze Schadensaufnahme (Skizze mit Schadenskennzeichnung, Fotos)

Um diese Daten verlässlich zu erhalten, sollten möglichst alle Unfallbeteiligten ihren Personalausweis und den Kfz-Schein vorlegen. Sinnvoll ist, einen Unfallbericht zu nutzen, den Ihr Versicherer oder auch der ADAC zur Verfügung stellt. Er gehört ins Handschuhfach oder einen anderen Ablageort im Wagen und stellt sicher, dass Sie keine wichtigen Punkte vergessen. Auch ohne diese Vorlage muss der Unfall aber aufgenommen werden.  

Nach der Unfallaufnahme

Melden Sie den Unfall Ihrer Versicherung. Das sollte möglichst schnell passieren, in jedem Fall jedoch innerhalb einer Woche. Bei Todesfällen sind maximal 48 Stunden Frist. 

Unfallort mit Erstversorgung

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