Pflichtteil im Erbrecht: Wann tritt er in Kraft?

Mittwoch, 26.07.2017

Nahe Verwandte sowie der Ehe- oder eingetragene Lebenspartner eines Verstorbenen haben in Deutschland Anspruch auf einen Pflichtteil des Erbes. Nur eine Hälfte des Nachlasses ist frei vererbbar, die andere geht zu festgelegten Anteilen an die gesetzlichen Erben. Das regelt das Bürgerliche Gesetzbuch.

Der Anspruch auf den Pflichtteil tritt für die gesetzlichen Erben automatisch mit der Kenntnis vom Tod ihres nahen Verwandten oder Lebenspartners in Kraft. Es gibt jedoch Ausnahmen.

Pflichtteil: Vom enterben bis zum Verzicht

Hat sich der gesetzliche Erbe eines schwerwiegenden Vergehens gegen den Toten schuldig gemacht, ihm zum Beispiel nach dem Leben getrachtet oder böswillig keinen Unterhalt gezahlt, kann er im Testament enterbt werden. Möglich ist dies auch bei einer rechtskräftigen Verurteilung zu einer Haftstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung. Der Pflichtteil geht dann an den nächsten Verwandten über, so als wäre dieser Erbe gestorben.

Durch einen Erbvertrag kann das In-Kraft-Treten des Pflichtteils ebenfalls ausgehebelt werden. Voraussetzung ist, dass der Erbberechtigte gemeinsam mit dem Erblasser bekundet, dass er freiwillig auf sein Pflichtteil verzichtet.

Die gesetzliche Erbfolge kann durch einen Erbvertrag zudem verzögert werden. So vereinbaren etwa Eheleute oftmals, dass eigene oder adoptierte Kinder ihren Pflichtteil erst erben, wenn auch der andere Ehepartner verstorben ist. 

Diese Fristen gelten für den Pflichtteil

Wenn einer, mehrere oder alle gesetzlichen Erben ihren Pflichtteil ausschlagen, beispielsweise weil der Nachlass aus Schulden besteht, müssen sie dies ausdrücklich beim  zuständigen Nachlassgericht am Wohnort des Verstorbenen erklären. Dafür gilt eine Frist von sechs Wochen nach Kenntnis der Erbschaft.

Der Anspruch auf den Pflichtteil verjährt laut § 195 BGB drei Jahre nach Ende des Jahres, in dem der gesetzliche Erbe von seinem Pflichtteil erfährt. Ohne Kenntnis von dem Ableben des nahen Verwandten oder dessen gesonderte Verfügung über den Nachlass in Form eines Testaments verjährt der Anspruch auf den Pflichtteil 30 Jahre nach dem Erbfall. Es besteht beim Pflichtteil nur Anspruch auf Geld, nicht jedoch auf Sachwerte.  

Testament wird beglaubigt

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