Eingeparkt und zugestellt: Mythen rund um das Thema Parken

Mittwoch, 12.07.2017

Auto abstellen und gut? Was als alltägliche Routine dazugehört, ist manchmal gar nicht so leicht. Mehr als 100 Millionen Euro an Bußgeld werden jedes Jahr in Deutschland wegen Ordnungswidrigkeiten beim Parken eingenommen. Richtig eingeparkt? Im Folgenden stellen wir zehn typische Mythen zum Thema vor.

1. Parkverbot an Werktagen gilt von Montag bis Freitag?

Falsch. Häufig sind besonders in Großstädten Parkbeschränkungen und -verbote laut Ausschilderung auf die Werktage begrenzt. Allerdings begreift die deutsche Rechtslage alle Tage außer dem Sonntag als Werktag. Daraus ergibt sich, dass Verbote von Montag bis Samstag gelten. Nur Sonn- und Feiertage sind ausgenommen.

2. Ein Parkplatz darf freigehalten werden?

Falsch. Egal, ob der Beifahrer eine Parkstelle reserviert oder ein Gegenstand als Platzhalter fungiert: Jede Art, eine der begehrten Parklücken freizuhalten, ist rechtlich irrelevant. Hier gilt das Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Sprich, der Parkplatz steht dem Fahrer zu, das zuerst einparkt. Die Rechtsprechung erlaubt hierbei sogar, die blockierende Person mit dem Auto zu vertreiben. Wehrt sich der Fußgänger dagegen, kann das als Nötigung ausgelegt werden.

3. Parken parallel zum Bordstein ist Pflicht?

Falsch. § 12 Absatz 4 der StVO legt fest, dass der rechte Seitenstreifen zum Parken dient. Es gilt das Längspark-Gebot, sich schräg oder quer zu stellen – etwa mit einem Smart – ist aber nicht ausdrücklich verboten. Der Parkbereich muss lediglich breit genug sein, damit vom abgestellten Fahrzeug keine Gefahr für den fließenden Verkehr ausgeht. § 12 Absatz 6 der StVO, der das platzsparende Parken vorschreibt, genügt man so vielleicht sogar besonders gut.

4. Nur Frauen dürfen Frauenparkplätze benutzen?

Falsch. Bei der Beschilderung von Frauen- oder Eltern-Kind-Parkplätzen handelt es sich nicht um offizielle Verkehrszeichen. Sie sind daher nicht verbindlich. Allerdings gebieten es Rücksichtnahme und Höflichkeit, die Hinweise zu akzeptieren. Meist sind Eltern-Kind-Parkstellen größer, damit Platz zum Rangieren mit dem Kinderwagen bleibt. Spezielle Frauenparkplätze sind oft besser beleuchtet, näher am Ausgang und besser überwacht.

Bei Behindertenparkplätzen ist die Rechtslage eine andere. Nur Berechtigte dürfen sie nutzen, sonst droht ein Bußgeld und das Auto wird abgeschleppt.

5. Auf Parkplätzen gilt die StVO?

Falsch. Private Parkplätze sind keine Straßen, daher hat die StVO keine Gültigkeit. Damit wird auch das übliche „rechts vor links“ als Grundregel außer Kraft gesetzt. In diesen Bereichen hat die gegenseitige Rücksichtnahme höchste Priorität, die Fahrer müssen sich durch Handzeichen verständigen.

6. Nur schnell mal ohne Parkscheibe „halten“?

Falsch, auch beim kurzen Weg zum Bäcker oder Geldautomaten: Ist eine Parkscheibe verlangt, muss sie auch eingestellt – auf die vollendete halbe Stunde – und deutlich sichtbar hingelegt werden. Für den Ordnungshüter ist nicht ersichtlich, wie lange ein Auto bereits steht. Die fehlende Scheibe wird mit einem Verwarngeld geahndet – im schlimmsten Fall wird abgeschleppt.

7. Wer ein Auto touchiert, muss einen Zettel hinterlassen?

Falsch und oft folgenschwer, denn es droht eine Verurteilung wegen Fahrerflucht. Ein Zettel kann verschwinden, deshalb muss man auch bei einem leichten Parkrempler auf den Halter des beschädigten Autos warten oder die Polizei informieren. Zugleich nimmt man so möglichen Zeugen den Wind aus den Segeln, die oft schon hinter den Fenstern der umliegenden Häuser lauern. 

8. Ist der Parkautomat defekt, braucht man kein Ticket?

Falsch, zumindest ohne Umgebungsprüfung. Erst wenn es auch keine anderen funktionierenden Automaten im Umkreis gibt, entfällt die Ticket-Pflicht. Dann sollte eine Parkscheibe verwendet werden. Die erlaubte Höchstparkdauer gilt auch, wenn der Parkscheinautomat außer Betrieb oder kaputt ist.

9. Privater Parkplatz blockiert, abschleppen erlaubt?

Falsch. Zuparken ist Nötigung. Wer stattdessen ein Abschleppunternehmen ruft, muss in Vorkasse gehen und das Geld dann möglicherweise langwierig vom Halter des Falschparkers zurückfordern. Am günstigsten ist es, die Polizei zwecks einer Halterabfrage zu rufen oder, falls möglich, eine Alternativstelle zum Parken zu suchen und Gnade vor Recht gehen zu lassen.

10. Wer mich zuparkt, darf abgeschleppt werden?

Falsch, oder zumindest nicht sofort. Zuerst gilt es, den Besitzer des anderen Autos ausfindig zu machen. Gelingt das nicht allein, hilft die Polizei. Wer zum Beispiel wegen eines eiligen Termins auf ein Taxi umsteigen muss, kann später beim Falschparker Schadensersatzansprüche geltend machen.

Junge Frau aufgeregt beim Einparken

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