Kurios: Gestresste Mutter sucht "Urlaubsvertretung" zum Aufpassen auf ihre Kinder – Ist das erlaubt?

Mittwoch, 17.01.2018

Die Geschichte ist kurios, aber auch erschreckend: In Baden-Württemberg hat eine 35-jährige Mutter via Facebook eine „Urlaubsvertretung“, genauer gesagt einen Sitter für ihre beiden Kinder (7 und 10 Jahre) gesucht. Sie wollte ohne die Plagegeister einen zweiwöchigen Urlaub genießen.

Statt der erhofften Betreuung stand kurze Zeit später jedoch die Polizei vor der Tür. Die Beamten machten der Frau klar, dass weder die öffentliche Suche noch die „Überlassung ihrer Kinder an fremde Menschen“ eine gute Idee sei. Die Frau zog ihre Facebook-Suche darauf hin umgehend zurück. Mit rechtlichen Konsequenzen muss sie wohl nicht rechnen.

Was tun, wenn keine Hilfe da ist?

Tatsächlich ist es gerade für Alleinerziehende ein gravierendes Problem, wenn dauerhaft Hilfe bei der Kinderbetreuung fehlt. Ohne Freunde und Verwandte sind viele dann auf einen „Babysitter“ angewiesen. Dieser kostet nicht nur Geld, er muss auch erst einmal gefunden werden.

Die allgemeine Suche über die sozialen Netzwerke ist dabei ausgeschlossen, da sich die Qualifikation und Verlässlichkeit der Bewerber kaum so schnell seriös überprüfen lässt. Die damit verbundenen Gefahren einer Vernachlässigung und des Missbrauchs würden einer schweren Verletzung der elterlichen Aufsichtspflicht gleichkommen – und könnten den Entzug des Sorgerechts nach sich ziehen.

Wie Sie einen Babysitter finden

Alternativen bieten Kommunen, Sozialeinrichtungen wie das Rote Kreuz oder auch private Vermittler. Die hier gelisteten Bewerber zur Kinderbetreuung sind geprüft und verfügen häufig über einen Babysitter-Pass oder andere Zertifikate. Handelt es sich um Jugendliche, liegt die (ohnehin verpflichtende) Zustimmung der Eltern meist schon vor.

Vertraglich gesichert

Generell ist es Eltern gestattet, ihre Aufsichtspflicht zeitweise an einen Helfer zu übertragen. Gerade wenn die Übertragung über einen längeren Zeitraum erfolgt, führt dies zu einem vertraglichen Verhältnis, für das die Schriftform empfohlen wird.

„Eine vertragliche Übernahme der Aufsichtspflicht ist regelmäßig dann anzunehmen, wenn Kinder für längere Zeit und mit weitreichender Einwirkungsmöglichkeit in fremde Obhut gegeben werden“, urteilt der Bundesgerichtshof (BGH in NJW 1968, 1874). Übernimmt also ein Babysitter über Stunden oder Tage die Aufsicht, ist auch stillschweigend von einer vertraglichen Vereinbarung auszugehen. Das gilt nicht, wenn die Nachbarin kurz auf das spielende Kind im Treppenflur achtet. Müssen Gerichte entscheiden, tun sie dies stets im Einzelfall. 

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