Lohntransparenz: Was verdienen die Kollegen?

Mittwoch, 17.01.2018

Seit dem 6. Januar können Arbeitnehmer von ihrem Recht Gebrauch machen, Auskunft über den durchschnittlichen Lohn von andersgeschlechtlichen Kollegen mit ähnlicher Tätigkeit zu erhalten. Das entsprechende Gesetz, das im Juli 2017 beschlossen wurde, soll für mehr Lohntransparenz sorgen. Ziel ist es, neue Wege gegen die schlechtere Bezahlung von Frauen zu eröffnen.

In der Praxis ist das Auskunftsrecht allerdings an hohe Auflagen gebunden. So dürfte die Frage nach dem Verdienst der Kollegen auch in Zukunft in vielen Fällen unbeantwortet bleiben.

So können Sie das Gehalt der Kollegen in Erfahrung bringen

Wer gehofft hat, mit Inkrafttreten des Entgelttransparenzgesetzes das konkrete Gehalt von Kollegin X oder des Kollegen Y zu erfahren, wird enttäuscht. Diese Daten sind auch weiterhin geheim. Das Recht auf Auskunft bezieht sich lediglich auf den Durchschnittlohn, den Kollegen des anderen Geschlechts in ähnlicher Position beziehen.

Liegt das Lohnniveau dabei wesentlich höher als Ihre eigenen Bezüge, dürften sich Nachverhandlungen lohnen. Zumindest muss der Arbeitgeber auf Nachfrage erklären, wie es zu dieser Diskrepanz kommt.   

Wer ist auskunftsberechtigt?

Folgende Voraussetzungen hat der Gesetzgeber für eine Auskunft festgelegt:

  • Das Unternehmen muss mindestens 200 Mitarbeiter beschäftigen.
  • Es müssen mindestens sechs Kollegen anderen Geschlechts in vergleichbarer Position arbeiten. 

Die Hürde liegt also nicht nur in der Größe des Unternehmens, sondern auch in seiner hierarchischen Struktur. Je höher Arbeitnehmer in ihrer Position steigen, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sechs oder mehr vergleichbare Jobs existieren und mit Personen des anderen Geschlechts besetzt wurden.

Wie gehen Sie vor, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind?

Grundsätzlich stehen Ihnen in Unternehmen mit Betriebsrat zwei Wege offen: Sie gehen direkt zur Personalabteilung oder Sie gehen zum Betriebsrat, um hier um Weiterleitung Ihrer Anfrage zu ersuchen. Der Weg über den Betriebsrat hat dabei einen großen Vorteil. Hier wird Ihre Anfrage anonymisiert. Der Arbeitgeber erfährt also zunächst nicht, wer um Auskunft ersucht hat.

Nach dem Erhalt des Auskunftsantrags hat der Arbeitgeber drei Monate Zeit, Ihnen die Information zur Verfügung zu stellen. Automatisch anpassen muss er Ihr Gehalt aber nicht.  

Mann und Frau am Arbeitsplatz

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