Lenßens Tipp: Wie lange darf ich meine Miete zurück behalten?

Dienstag, 23.06.2015 Ingo Lenßen

„Unsere Wohnung hat Schimmel. Der Vermieter weiß Bescheid, er unternimmt aber nichts. Deshalb habe ich die Miete seit drei Monaten zurückbehalten. Es tut sich aber immer noch nichts. Wie kann ich mich wehren? Was kann ich tun?“

Sie haben vorläufig richtig reagiert. Denn Sie haben tatsächlich das Recht, die Miete als „Druckmittel“ zurück zu behalten, wenn der Vermieter seinen Pflichten - hier in diesem Fall der Schimmelbeseitigung - nicht nachkommt. Wenn Sie aber merken, dass das doch nicht weiterhilft und der Vermieter immer noch nicht reagiert, müssen Sie wieder zahlen! Das Zurückbehaltungsrecht gilt nämlich nur, so lange Sie denken, Sie könnten Ihren Vermieter mit dieser Maßnahme dazu bringen, den Schimmel zu entfernen. Merken Sie aber, dass er seinen Pflichten so oder so nicht nachkommt, müssen Sie die Miete wie gewohnt überweisen, können dann aber klagen oder den Schimmel selbst beseitigen und die Kosten von ihm zurückverlangen.

Aber Achtung!

Einen Haken gibt es bei diesem Zurückbehaltungsrecht: Sollte sich nämlich im Nachhinein herausstellen, dass Sie die Miete unberechtigter Weise mehr als zwei volle Monatsmieten zurückbehalten haben, wäre das ein fristloser Kündigungsgrund! 

Deshalb: 

Wenn Sie nicht ganz sicher sind: Zahlen Sie die Miete - nachdem Sie dies schriftlich Ihrem Vermieter mitgeteilt haben - unter „Vorbehalt“ weiter oder hinterlegen Sie sie auf einem eigens dafür angelegten Konto. Dann sind Sie im Fall der Fälle auf der sicheren Seite.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

BGH Urt. v. 17.6.2015, VIII ZR 19/14

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