Lenßens Tipp: Mein Arbeitszeugnis ist zu schlecht – Was kann ich tun?

Mittwoch, 01.06.2016 Ingo Lenßen

„Ich habe meine Stelle gekündigt und mein Arbeitszeugnis bekommen. Darin hat mein alter Chef geschrieben, ich hätte alle Aufgaben „zur vollen Zufriedenheit“ erledigt. Jeder weiß, dass das einer Note 3 (befriedigend) entspricht. Ich war aber definitiv überdurchschnittlich gut! Deshalb habe ich ihn aufgefordert, das Zeugnis zu verbessern, aber er weigert sich. Habe ich denn keinen Anspruch auf ein besseres Arbeitszeugnis?“

Nun, bei einem Zeugnis, das mindestens die Note 3 (befriedigend) hat, haben Sie nur einen Anspruch auf eine bessere Benotung, wenn Sie beweisen können, dass Sie diese auch verdient haben. Die sogenannte „Beweislast“ liegt bei solchen Forderungen also bei Ihnen. Anders wäre es, wenn Ihnen Ihr Chef ein Zeugnis ausstellt, das schlechter ist als die Note 3 (befriedigend) - dann müsste er beweisen, dass er mit der negativen Beurteilung Recht hat und Ihnen deshalb kein besseres Zeugnis ausstellen wird. Wie auch immer: Sollte es bis zum Schluss zu keiner Einigung kommen, bliebe nur noch der Gang vor’s Arbeitsgericht…

Nehmen Sie dem Chef Arbeit ab!

Viele Arbeitgeber sind dankbar, wenn ihnen die Last des Zeugnis-Schreibens genommen wird. Deshalb: Formulieren Sie Ihr Zeugnis selber, lassen Sie es anschließend von einem Experten - z.B. von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht - prüfen und legen es dann Ihrem Chef lediglich zur Unterschrift vor. Viele Arbeitgeber machen da mit!

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Bundesarbeitsgericht, Urt. v. 18.11.2014, 9 AZR 584/13

Kündigung einer Angestellten

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