Lenßens Tipp: Rausschmiss wegen privater Internetnutzung am Arbeitsplatz?

Dienstag, 19.05.2015 Ingo Lenßen

„Ich arbeite in einem Call-Center und sitze dort den ganzen Tag am Computer. Ab und zu checke ich dann auch mal meine Nachrichten auf Facebook oder meine privaten E-Mails. Nun hat mich ein Kollege verpetzt. Das Unternehmen hat mich daraufhin kontrolliert und meint, dass ich 1-2 Stunden am Tag das Internet und die Arbeitszeit für private Zwecke nutzen würde. Ich sei deshalb fristlos gekündigt. Weil ich den Job aber brauche, habe ich versichert, dass das nicht mehr vorkommen würde und ich zudem die Stunden unentgeltlich nacharbeiten würde. Mein Chef bleibt aber bei der Kündigung. Kann ich nichts dagegen machen?“

Doch, das können Sie. Denn die Kündigung war nicht rechtmäßig: mehr als Sie abmahnen hätte Ihr Chef nicht gedurft. Die Abmahnung wäre nämlich nur dann „entbehrlich“ gewesen - das heißt, er hätte Sie nur dann ohne Abmahnung fristlos kündigen dürfen -  wenn Sie Ihr Fehlverhalten nicht eingestanden hätten und man vermuten müsste, dass Sie weiterhin während der Arbeitszeit privat surfen. Aber das ist bei Ihnen nicht der Fall. Sie haben nämlich versichert, dass es nicht mehr vorkommen würde. Ihr Arbeitsvertrag besteht also noch! Wenn Ihr Chef Sie trotzdem nicht mehr beschäftigen will, können Sie klagen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Arbeitsgericht Berlin, Urt. v. 09.05.2014, 28 Ca 4045/14

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