Lenßens Tipp: Notar muss auf günstigere Alternative hinweisen!

Mittwoch, 14.10.2015 Ingo Lenßen

„Ich bin Unternehmer und 60 Jahren alt. Nun hatte mir mein Notar dazu geraten, bei ihm mein Testament zu machen. Das habe ich dann auch getan, weil ich davon ausgegangen bin, dass das Testament nur so wirksam ist. Natürlich hat diese ganze Aktion richtig Geld gekostet. Was mich nun besonders ärgert, ist, dass ich erst im Nachhinein erfahren habe, dass man sein Testament auch einfach zu Hause handschriftlich niederschreiben kann. Das reicht aus und kostet nichts! Die Beurkundung war also gar nicht nötig... Doch das hätte der Notar mir das doch sagen müssen!!!“

Das kommt darauf an: Denn grundsätzlich muss der Notar nicht darauf hinweisen, dass seine Dienste etwas kosten. Wenn es aber eigentlich eine günstigere Alternative gibt und der Notar merkt, dass der, der seine Dienste in Anspruch nimmt, nichts von der anderen günstigeren Möglichkeit weiß, muss er darüber aufklären. Und da Sie kein Jurist sind, der das mit dem handschriftlichen Testament wissen müsste, hätte der Notar sagen müssen, dass Sie das Testament eigentlich kostenfrei selbst schreiben könnten. Weil er seiner Aufklärungspflicht also offensichtlich nicht nachgekommen ist, müssen Sie die Rechnung nicht bezahlen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

OLG Naumburg Urt. v. 2.1.2012, 2 Wx 37/10 

§ 24 Abs. 1 BNotO

Beratung beim Notar

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