Lenßens Tipp: Wie komme ich an mein Kind?

Montag, 29.02.2016 Ingo Lenßen

„Mit einer verheirateten Frau in unserem Dorf hatte ich vor ein paar Jahren Sex, und neun Monate später hat sie ein Kind bekommen. Schon damals hatte ich vermutet, dass ich der Vater bin. Jetzt sind sechs Jahre vergangen und die Ähnlichkeit mit mir wird immer deutlicher. Als ich die Mutter deshalb darauf angesprochen habe und ihr sagte, dass ich das Kind kennenlernen möchte, war sie vollkommen geschockt, denn ihr Mann weiß natürlich nichts von dem Seitensprung. Trotzdem möchte ich nicht auf mein Recht verzichten! Habe ich denn nicht ein Umgangsrecht?“

In Ihrem konkreten Fall wahrscheinlich nicht! Denn Ihnen kann tatsächlich das Umgangsrecht verweigert werden, selbst wenn Sie der leibliche Vater sind. Der Grund: Das Wohl des Kindes steht immer im Vordergrund! 

Nutzen oder Schaden

Und dieses Wohl würde massiv gefährdet werden, wenn Sie die Mutter plötzlich nach all den Jahren „verraten“ und auf einen Umgang bestehen würden, da Sie dadurch eine intakte Familienbande zerstören würden. Auch durch einen Vaterschaftstest könnte der ganze Familiensegen verletzt werden. Die Ehe der Eltern würde durch das Thema Seitensprung sicher strapaziert werden und auch das Kind könnte durch die plötzliche Unsicherheit „Wer ist mein Vater?“ psychische Schäden davontragen. Alles in allem: Das Kind hätte einen größeren Schaden als Nutzen von dieser ganzen Aktion, und deshalb werden Sie wohl keine Chance haben, das Kind zu sehen, selbst wenn Sie zu 100% nachweisen können, dass Sie der leibliche Vater sind.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

OLG Bamberg Beschl. v. 20.12.2012, 2 UF 210/11

Mann mit Kind und Ball im Garten

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