Lenßens Tipp: Muss ich den ungepflegten Garten meines Nachbarn ertragen?

Freitag, 24.10.2014 Ingo Lenßen

Sie bevorzugen einen englischen Garten und stecken viel Zeit und Geld in dessen Pflege. Und Sie versuchen mit viel Ausdauer und Fleiß möglichst alles Unkraut von Ihrem Grundstück fern zu halten. Alles ist geordnet und korrekt, und sollte wider Erwartens es doch einmal ein Unkräutchen schaffen, sich in Ihr Reich zu schmuggeln, wird es gnaden- und skrupellos vernichtet!

Spaß beiseite. Es kann wirklich manchmal sehr ärgerlich sein, wenn man sich alle Mühe gibt, der Nachbar hingegen ein Freund des verwilderten oder sogar verwahrlosten Gartens ist. Dann wird es einfach schwierig mit der unweigerlich „herüber-gewehten“ Unkrautkontrolle. Leider haben Sie dagegen aber kaum eine Chance, denn jeder Eigentümer ist berechtigt, seinen eigenen Garten so zu gestalten, wie er will. Selbst wenn Sie durch Laub, Pollen oder Nadeln des Nachbarn einen erhöhter Reinigungsaufwand haben, können Sie in der Regel nichts dagegen tun. Nur wenn ein Garten über Jahre hinweg in einem sonst gärtnerisch gepflegten Wohnquartier komplett verwahrlost, kann in Ausnahmefällen im Rahmen des „nachbarlichen Gemeinschaftsverhältnisses“ (§ 242 BGB) ein Beseitigungsanspruch bestehen.

Mieter müssen pflegen

Wenn allerdings Ihr Mieter den Garten, der zur Mietwohnung gehört, verwahrlosen lässt, können Sie unter Umständen einen Gärtner bestellen und die Kosten Ihrem Mieter auferlegen (LG Köln Az. 1 S 119/09). Allerdings nur dann, wenn Ihr Mieter keine „fachgerechte Eigenleistung“ erbracht hat. Hat er nämlich aus Ihrem vorher gepflegten Rasen eine blühende Wiese gemacht, weil ihm das besser gefällt, und er diese auch pflegt, darf er das!

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

LG Köln (Az.: 1 S 119/09)

§ 242 BGB

Verwelkte Blumen

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