Lenßens Tipp: Kündigung bei sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz?

Mittwoch, 19.08.2015 Ingo Lenßen

„Zwischen meinen Angestellten gab es gestern einen Vorfall von sexueller Belästigung. Einer meiner Angestellten hat wohl zu einer Leiharbeiterin gesagt: „Dich würde ich auch gern von hinten fi…“ Die Leiharbeiterin hat sich jetzt bei mir beschwert und fordert, dass ich ihm kündige. Nun weiß ich nicht, wie ich als Arbeitgeber damit umgehen soll. Denn da der Mann seit 14 Jahren ein zuverlässiger Angestellter ist und die Leiharbeiterin bald wieder weg ist, weiß ich gar nicht, ob eine Kündigung der richtige Weg ist...“

Auch wenn viele das jetzt nicht verstehen werden: Sie haben nicht ganz unrecht mit Ihren Überlegungen. Das sagt zumindest das Landesarbeitsgericht Niedersachsen. Denn tatsächlich ist es so, dass eine Kündigung nur erfolgen darf, wenn es kein „milderes Mittel“ gibt, die Sache in den Griff zu bekommen. Eine Kündigung wäre also unumgänglich, wenn die Frau vor weiteren Belästigungen geschützt werden müsste. Hier ist es aber so, dass die Leiharbeiterin ohnehin bald wieder weg ist. Deshalb würde sie weiteren Belästigungen nicht ausgesetzt sein. Dazu kommt, dass der Mann seit 14 Jahren ein zuverlässiger Angestellter ist, und die Sache offenbar ein bisher einmaliges Vorkommnis war. Selbst wenn Sie also wollten, wäre eine Kündigung laut der niedersächsischen Richter deshalb unverhältnismäßig. Das heißt, Sie müssten sowieso erst einmal abmahnen.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landesarbeitsgericht Niedersachsen, Urt. v. 29.11.2008, 1 Sa 547/08

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Weitere Artikel

Kommentare