Lenßens Tipp: Kann ein Brief ein Testament sein?

Dienstag, 15.12.2015 Ingo Lenßen

„Meine Mutter ist verstorben. In einem Brief an mich steht, dass ich alles bekommen soll, wenn sie von uns geht. Zu meinem Bruder hatte sie nämlich seit 30 Jahren keinen Kontakt mehr. Nun sagt mein Bruder aber, dass ein Brief kein Testament sein kann. Es bleibe deshalb bei der gesetzlichen Erbfolge und er kriegt die Hälfte. Wie ist das nun? Ist der Brief ein Testament?“

Darauf gibt es keine ganz eindeutige Antwort, denn es kommt darauf an, wie der Brief formuliert wurde! Grundsätzlich spricht zwar nichts dagegen, dass ein Testament in Briefform geschrieben wird. Wichtig ist nur, dass der Brief Ihrer Mutter von ihr selbst handgeschrieben wurde und sie beim Schreiben einen sogenannten „Testierwillen“ hatte. Das bedeutet, dass Ihre Mutter beim Schreiben gewollt haben muss, dass der Brief nachher als Testament gewertet wird. Das wäre z.B. nicht der Fall, wenn sie schreibt: „Ich denke, ich werde Dich als Erben einsetzen.“ Das würde ja zum Ausdruck bringen, dass der Brief selbst noch nicht die Erbeinsetzung sein soll. 

Was sollten Sie tun?

Gehen Sie am Besten mit dem Brief zum Nachlassgericht. Dieses muss sich den Brief dann angucken und den Text und die Umstände auswerten. Sollte es dann zum Schluss kommen, dass Ihre Mutter Sie mit diesem Schreiben zur Alleinerbin machen wollte, ist der Brief als Testament gültig und kann von Ihrem Bruder nicht mehr angefochten werden.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

OLG Schleswig Beschl. v. 29.05.2009, 3 Wx 58/04

§ 2064 BGB

Alter Füllfederhalter

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