Lenßens Tipp: Kann mein Chef einfach Überstunden anordnen?

Montag, 07.12.2015 Ingo Lenßen

„Seit wir einen neuen Abteilungsleiter bekommen haben, müssen wir fast jeden Abend bis nach 20 Uhr arbeiten. Dabei sind unsere offiziellen Bürozeiten um 18 Uhr zu Ende. Zum Dank ernten wir dann nicht einmal ein Schulterklopfen. Von Freizeitausgleich oder mehr Geld ist keine Rede. Muss ich mir das gefallen lassen?“

Das müssten Sie tatsächlich nur, wenn Sie es schon bei Ihrer Einstellung so vereinbart hätten. Typische Vertragspassagen lauten dann zum Beispiel „Der Mitarbeiter erklärt sich bereit, auf Anordnung des Arbeitgebers über die vertragliche Arbeitszeit hinaus Überstunden zu leisten“ oder „Mit dem Grundgehalt sind bis zu 20 Überstunden monatlich finanziell abgegolten“. 

Ansonsten gilt:

Findet sich keine solche Klausel in Ihrem Vertrag, müssen Sie, außer in dringenden Notfällen, keine Überstunden leisten. Erst Recht keine regelmäßigen. Nun ist aber auch nicht alles ein Notfall, was der Chef dafür hält: Unerwartete Auftragsanfragen, der krankheitsbedingte Ausfall von Kollegen oder Streiks gelten nicht als Notfälle. Schäden an Maschinen oder am Betriebsgebäude – etwa ein Rohrbruch – aber schon. In solchen Fällen bindet Sie Ihre Treuepflicht, Mehrarbeit zu leisten (§ 14 Abs. 1 Arbeitszeitgesetz). Und wenn Sie dieser Pflicht nicht nachkommen, droht mindestens eine Abmahnung.

Das Gesetz steht auf Ihrer Seite

Das Arbeitszeitgesetz schützt Sie allerdings auch vor Missbrauch der Überstundenanordnung: Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind 8 Stunden Arbeit pro Tag der Richtwert, 10 Stunden das Maximum. Pro Woche dürfen im Halbjahresschnitt höchstens 48 Wochenstunden zusammen kommen. Und neben den regulären Pausenzeiten steht Ihnen zwischen Feierabend und Arbeitsbeginn eine Ruhezeit von mindestens 11 Stunden zu.

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Ruhezeit § 5 ArbZG

Maximale Arbeitszeit § 3 ArbZG

Notfälle § 14 ArbZG

Überstunden im Büro

Weitere Artikel

Kommentare