Lenßens Tipp: Schmerzensgeld wegen heimlicher Videoüberwachung

Dienstag, 05.07.2016 Ingo Lenßen

„Ich bin zutiefst verärgert: Ich war vor Kurzem drei Wochen krankgeschrieben, arbeite aber seit Montag wieder. Gestern nun zitierte mich mein Chef in sein Büro und zeigte mir Videoaufnahmen, wie ich letzten Mittwoch im Aldi einkaufen war. Offensichtlich hatte er einen Privatdetektiv auf mich angesetzt, der kontrollieren sollte, ob ich auch wirklich krank gewesen bin. Ganz davon abgesehen, dass ich sehr wohl einkaufen gehen darf, selbst wenn ich krankgeschrieben bin - darf mein Chef einfach Videoaufnahmen von mir machen lassen?“

Nein, darf er nicht! Denn sogar das Bundesarbeitsgericht höchstpersönlich hat bereits beschlossen, dass eine Überwachung der Angestellten nur dann erlaubt ist - und auch das nur unter Vorbehalt -  wenn dem Arbeitgeber tatsächliche und konkrete Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass eine Krankheit simuliert wird oder dass sonstige Straftaten vom Arbeitnehmer begangen worden sind. Überwachungen „ins Blaue hinein“sind dagegen unzulässig! Und dafür können Sie sogar ca. 1.000 Euro Schmerzensgeld verlangen! Und nicht nur das: Hätte der Detektiv Sie sogar noch bis in die eigenen vier Wände verfolgt und quasi bis ins Schlafzimmer gefilmt, würde das Schmerzensgeld noch wesentlich höher ausfallen…

Krank sein bedeutet nicht gefangen sein

Außerdem hatten Sie absolut Recht, dass Sie durchaus einkaufen gehen dürfen, auch wenn Sie krankgeschrieben sind: Lenßens Tipp: „Ausgehverbot“ bei Krankschreibung?

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Bundesarbeitsgericht Az. 8 AZR 1007/13

Art. 1, 2 GG, §§ 280 ff. BGB

Überwachung aus dem Auto

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