Lenßens Tipp: Kündigung wegen Biss in ein „Nordseekrabbenbrötchen“

Dienstag, 10.05.2016 Ingo Lenßen

„Ich bin Angestellte in einer Feinkostabteilung. Ich gebe zu, dass ich gestern, während ich neue Krabbenbrötchen belegt habe, eines davon gegessen habe, weil ich solchen Hunger hatte. Das hat wohl jemand gesehen - auf jeden Fall erhielt ich vorher von meinem Arbeitgeber die fristlose Kündigung. Er meint, ich hätte sein Vertrauen missbraucht und er hätte außerdem einen Vermögensschaden erlitten. Aber deswegen gleich eine fristlose Kündigung? Ist das nicht völlig übertrieben?“

Doch, ist es. Natürlich hätten Sie das Brötchen nicht ungefragt nehmen dürfen, natürlich haben Sie dadurch Vertrauen missbraucht und haben tatsächlich einen sogenannten „Vermögensschaden“ verursacht - aber eine Kündigung, und zudem eine fristlose, war dieses Brötchen ganz sicher nicht wert!

Abmahnung hätte ausgereicht

In einem ganz ähnlichen Fall hat deswegen auch bereits das Landesarbeitsgericht entschieden, dass es in solch einem „Bagatellfall“ einem Chef durchaus zumutbar sei, seinen Angestellten zunächst einmal abzumahnen. Eine fristlose Kündigung wie bei Ihnen ist also völlig überzogen und nicht wirksam. Gehen Sie ansonsten zu einem Fachanwalt für Arbeitsrecht und klagen Sie!

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landesarbeitsgericht Hamburg Urt. v. 30.07.2014 Az. 5 Sa 22/14

§§ 611 ff. BGB

Brötchen

Weitere Artikel

Kommentare