Lenßens Tipp: Muss mir mein Chef für Bewerbungsgespräche frei geben?

Mittwoch, 20.01.2016 Ingo Lenßen

„Mir gefällt mein Job nicht mehr, und deshalb habe ich kürzlich gekündigt und mir ein paarmal für Bewerbungsgespräche frei genommen. Aber mein Chef unterstellt mir jetzt, diese Gespräche hätten gar nicht stattgefunden – ich hätte mir nur auf Kosten der Firma mehr Freizeit verschaffen wollen. Und deshalb wurde mir jetzt fristlos gekündigt. Das wäre ja nicht so schlimm, wenn meine reguläre Kündigungsfrist nicht noch sechs  Monate laufen würde. Das kann doch nicht Rechtens sein.“

Aus Ihrer langen Kündigungsfrist entnehme ich, dass Sie bereits seit mindestens 15 Jahren in der Firma arbeiten. Aber unabhängig davon: Arbeitnehmer haben einen Anspruch auf Freistellung von der Arbeit, um Vorstellungsgespräche wahrzunehmen! Das regelt übrigens § 629 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). 

Außerdem:

Wenn Ihr Chef Ihnen ohne weitere Nachfragen frei gegeben hat, kann er hinterher nicht fristlos kündigen. Das könnte er nur, wenn Sie dem Arbeitsplatz unentschuldigt ferngeblieben wären. Und Auskunft darüber, wo Sie sich beworben haben, kann Ihr Chef auch nicht verlangen – er darf lediglich vorher erfragen, wie lange die jeweiligen Vorstellungstermine in etwa dauern werden – schließlich muss er planen können, ob eine Vertretungskraft erforderlich ist. Übrigens  läuft Ihr normales Gehalt während der Freistellung ohne Abzüge weiter (§ 616 BGB)…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landesarbeitsgericht Hessen, Urteil vom 28.11.2012 – 18 Sa 695/12

§ 616 BGB,  § 629 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB)

Gekündigte Frau mit Umzugskarton

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