Lenßens Tipp: Bekomme ich die Zeit bezahlt, die ich zum Umkleiden brauche?

Donnerstag, 03.03.2016 Ingo Lenßen

„Ich muss in meinem Betrieb in firmeneinheitlicher Arbeitskleidung pünktlich antreten. Und erst ab da läuft dann meine bezahlte Arbeitszeit. Finde ich allerdings ziemlich ungerecht. Denn zum Umziehen brauche ich, wie meine Kollegen auch, rund fünf Minuten. Bei einer Fünftagewoche mit zweimal Umkleiden pro Tag ist das fast eine ganze unbezahlte Stunde. Das kann doch so nicht rechtens sein, oder?“

Ist es auch nicht! Zwar haben vor Jahren zum Beispiel Busfahrer ihre Uniform schon zu Hause angezogen und sich dann auf den Weg zur Arbeit gemacht – doch das wird von der Rechtsprechung mittlerweile als unzulässig angesehen, wenn die Beschäftigten in ihrer privaten, das heißt unbezahlten Zeit, keine Dienstkleidung tragen wollen. 

In der Konsequenz bedeutet das: 

Der Betrieb muss erstens die Möglichkeit zum Umziehen schaffen, und zweitens diese Zeit auch vergüten. Bezahlt werden muss folglich jede Tätigkeit, die der Arbeitgeber verlangt und die ausschließlich seinen eigenen Interessen dient. Das Tragen von Dienstkleidung gehört eindeutig dazu. 

Übrigens: 

Außerdem vergütungspflichtig sind sowohl die Zeit für das Abholen von Dienstkleidung von einer Ausgabestelle sowie der Weg vom Umkleideraum zum eigentlichen Arbeitsplatz.  

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Bundesarbeitsgericht – 1 ABR 45/10

Bundesarbeitsgericht – 5 AZR 678/11

Bundesarbeitsgericht – 5 AZR 954/12

Bundesarbeitsgericht – 5 AZR 954/12

Arbeitskleidung mit Helm

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