Lenßens Tipp: Arbeitsweg versichert, wenn man beim Freund übernachtet hat?

Freitag, 25.09.2015 Ingo Lenßen

„Vor kurzem hatte ich einen Autounfall, als ich auf dem Weg zur Arbeit war. Das Problem ist, dass ich an dem Tag, als ich den Unfall hatte, bei meinem Freund übernachtet hatte und der Weg von ihm zu meiner Arbeit 60 km länger ist als der von meiner eigenen Wohnung. Deshalb will die Unfallversicherung jetzt nicht zahlen. Sie sagt, durch diesen „Umweg“ sei es kein Arbeitsunfall mehr. Stimmt das?“

Die Versicherung hat da nicht ganz unrecht. Denn grundsätzlich  muss der Weg zur Arbeit von einem anderen Ort aus immer in einem angemessenen Verhältnis zum normalen Weg stehen. Das wäre hier bei der viel längeren Strecke tatsächlich nicht der Fall, und die Versicherung muss im Zweifel nicht zahlen. 

Aber es gibt aber Ausnahmen!

Die Versicherung muss auch immer eine Einzelfallbetrachtung vornehmen! Denn wenn Ihre Entscheidung, nicht mehr in der Nacht nach Hause zu fahren und lieber bei Ihrem Freund zu übernachten „situationsangemessen“ war - z.B. im Winter, wenn wegen dem Glatteis die Unfallgefahr besonders hoch ist - dann kann es sein, dass auch der längere Arbeitsweg versichert sein. Denn Ihr Verhalten war dann in diesem Moment tatsächlich situationsangemessen, und der Unfall fällt wieder unter den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz…

Textbezogene Paragraphen / Urteile:

Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen, Entscheidung v. 4.8.2014, L 3 U 50/12 

§ 8 SGB VII

Autounfall

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