Kreuzfahrten: Ihre Rechte und Pflichten

Dienstag, 11.07.2017

Die Lust der Deutschen an Kreuzfahrten wächst und wächst. Was lange Zeit als Senioren-Urlaub galt, hat sich zur Boom-Branche gemausert. Aber egal ob auf hoher See oder einem Fluss: Ärger bleibt auch bei Kreuzfahrten nicht aus. Kennen Sie Ihre Rechte und Pflichten an Bord?

Vor zehn Jahren war nur ein Drittel der Reisenden von heute mit dem Schiff unterwegs. Die Chancen stehen gut, dass 2017 die Zwei-Millionen-Grenze geknackt wird. Heutzutage bedient die Kreuzfahrt-Branche längst nicht nur das frühere Klischee-Publikum. Denn auch Familien und Singles, Heavy-Metal-Fans oder überzeugte Nudisten, Party-Begeisterte, Golfspieler und viele andere können dank spezieller Themen-Kreuzfahrten mit Gleichgesinnten über die "Seven Seas" schippern.

Anders als Hotelurlauber sind Kreuzfahrt-Reisende oft weniger flexibel, wenn etwas nicht so klappt, wie vereinbart. Grund genug, die eigenen Rechte und Pflichten zu kennen.

Reiseroute geändert?

Sie haben sich auf einen bestimmten Reiseverlauf gefreut? Nicht selten ändern die Reiseveranstalter kurzfristig den Weg und damit auch die angelaufenen Häfen. Besonders wenn es sich um erhebliche Umstellungen handelt, haben Sie gute Chancen, eine Preisminderung einzufordern oder vom Vertrag zurückzutreten. Vorausgesetzt, die Änderungen liegen in der Verantwortung des Veranstalters, können Sie eventuell nicht nur den Reisepreis zurückfordern, sondern auch Schadensersatz einklagen. Grund: Ihnen sind Urlaubsfreuden entgangen.

Anders liegt der Fall, wenn der Kurs wegen der politischen Lage geändert werden musste. Hier gibt es ein Urteil des Amtsgerichts Rostock, das sich gegen die nachträgliche Preisminderung ausspricht. Im konkreten Fall handelte es sich um eine Donau-Kreuzfahrt, die ans Schwarze Meer führen sollte. Wegen Unruhen in der Ukraine wählte das Schiff den rumänischen Flussarm und gelangte so zur Flussmündung. Das Gericht beschied: Diese Änderung des geplante Reiseweges stelle keinen Reisemangel dar (AZ: 47 C 415/14).

Wer zu spät kommt?

Wenn Sie Ihr Schiff wegen einer Flugverspätung verpassen, können Sie meist eine Preisminderung geltend machen. In Bezug auf Urlauber, die ihre Südamerika-Kreuzfahrt nicht wie geplant in Santos in Brasilien beginnen konnten, hat das Amtsgericht Rostock eine Rückzahlung von zweieinhalb Tages-Reisepreisen bestätigt (AZ: 47 C 181/14). Voraussetzung für diese Erstattung war allerdings, dass Flug und Kreuzfahrt als Paket gebucht worden waren. 

Mängel der Kabine?

Sie sind sehr enttäuscht von Ihrer Kabine, weil diese laut ist, weil sie schlechter ist als gebucht oder weil sanitäre Anlagen defekt sind? Diese Reisemängel lassen sich schwer ad hoc beheben, gerade wenn der Kreuzer ausgebucht ist. Was nun?

Wenden Sie sich umgehend an die Reiseleitung, informieren Sie diese über die Mängel und fordern Sie Abhilfe. Ist Ihre Beschwerde berechtigt, muss sich die Reiseleitung darum kümmern, dass die Mängel abgestellt werden. Ist keine Einigung möglich, steht es Ihnen frei, das Schiff am nächsten Hafen zu verlassen. Rückflugkosten inklusive Hotel können wie die Reisekosten vom Veranstalter zurückgefordert werden.

Aber Vorsicht: Vergessen Sie nicht, dass Sie Urlaub auf einem Schiff machen. Gewisse Unwägbarkeiten sollten bereits bei der Reiseplanung einkalkuliert werden. Der Geräuschpegel des Maschinenraums ist kein Diskussionsgegenstand, und auch Außenkabinen verfügen nicht unbedingt über große Fenster, sondern über Bullaugen. In diesem Zusammenhang hat das Landgericht Bonn eine Passagierin abblitzen lassen, die wegen Sichtbehinderung geklagt hatte. Zwei Rettungstonnen hätten ihren Blick auf das Meer beeinträchtigt – für das Bonner Gericht kein erheblicher Reisemangel (AZ: 8 S 11/16).

Trinkgelder: freiwillig oder im Reisepreis enthalten

Die Reisebeschreibung verzeichnet genau, welche Angebote im Reisepreis inbegriffen sind und welche hinzugebucht werden können. Viele Reedereien ziehen als Trinkgeld (Service-Entgelt) pro Tag und Person einen festen Betrag automatisch vom Bordkonto ein. Üblich sind rund zehn Euro, was sich schnell addiert.

Gezahlt werden muss laut Bundesgerichtshof (Az.: I ZR 158/14) allerdings nur, wenn diese „Servicepauschale“ im Gesamtpreis der Reise bereits ausgewiesen war. Ist das nicht der Fall, handelt es sich also um eine separate Zahlung, können Kreuzfahrt-Urlauber dem pauschalen Abzug widersprechen  

Nach dem BGH-Urteil und der wachsenden Kritik, gerade an der Intransparenz bei der Verteilung der Gelder, gehen immer mehr Reedereien zum freiwilligen Trinkgeld über. Costa hat diesen Schritt zum Beispiel in der Saison 2016/17 vollzogen, MSC setzt schon seit 2014 auf Trinkgeld-Empfehlungen.  

Frau an Bord eines Kreuzfahrtschiffs

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