Krankenkassenbeitrag: Wofür wird das Geld verwendet?

Samstag, 03.02.2018

Den gesetzlichen Krankenkassen geht es derzeit richtig gut. Die hohe Beschäftigungsquote und eine Vielzahl an Zuwanderern sorgen für Überschüsse im zweistelligen Milliardenbereich. Allein für 2016 wurden fast 900.000 neue Mitglieder gemeldet. Wohin aber fließt das viele Geld aus den Krankenkassenbeiträgen?

Zunächst: Die derzeitigen Überschüsse spiegeln weder die Realität der vergangenen Jahre (2015 gab es noch ein Minus von rund einer Milliarde Euro), noch lässt sich in Zukunft damit planen. So sind die derzeitigen Krankenkassenbeiträge von durchschnittlich 15,7 Prozent – getragen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern – die lange Folge schrittweiser Anhebungen. Selbst wenn die meisten Kassen ihre Beiträge 2018 stabil halten können, ist die Preisspirale nicht gestoppt. Dafür sorgen neben vielen anderen Faktoren die Klinikreform, das neue Palliativgesetz und ständig steigende Ärztehonorare.

Wohin fließen die Milliarden?

Die Ausgaben im Gesundheitswesen messen sich in Milliarden, wobei die größten Kostenblöcke bei den Krankenhaus-Behandlungen sowie bei Arztbesuchen und Arzneimitteln entstehen. 2015 mussten für den Krankenhausaufenthalt pro Patient fast 4.400 Euro aufgewendet werden, was sich zu einem Betrag von gut 84 Milliarden Euro summierte.

Eine ähnliche Größenordnung erreichten die Kosten für Arztbesuche, wenn man Zahnarztbesuche und die verschriebenen Medikamente mit einbezieht: Fast 79 Milliarden Euro mussten die Kassen dafür hinlegen, wobei der Anteil der Arzneimittel bei rund 35 Milliarden Euro lag.

Ebenfalls im zweistelligen Milliardenbereich landen die Ausgaben für das Krankengeld (gut 11 Milliarden) und für die Verwaltung (10,5 Milliarden). Das bedeutet zugleich, dass rund fünf Prozent aller Beiträge nicht direkt den Patienten zugutekommen, sondern für den breiten Mitarbeiterstamm der Kassen aufgewendet werden müssen. Noch eine Stufe  zurückgedacht sind es anteilig aus der Lohntüte der Arbeitnehmer rund 0,5 Prozent.

Der Vollständigkeit halber sind vier weitere Kosten-Positionen zu erwähnen:

  • Medizinische Hilfsmittel: 7,6 Milliarden
  • Physiotherapien und ähnliche Behandlungen.: 6,1 Milliarden
  • Häusliche Krankenpflege: 5,2 Milliarden
  • Kosten für Reha- und Vorsorgemaßnahmen: 3,2 Milliarden

Die Frage der Parität

Vom Beginn der 1950er Jahre bis ins Jahr 2005 war es in Deutschland Sitte, dass die Krankenkassenbeiträge im Verhältnis 50:50 zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgeteilt wurden. Steigerungen wirkten sich also auf beiden Seiten negativ aus.

Mit der Einführung eines Sonderbeitrags von 0,9 Prozent, der allein von den Arbeitnehmern zu zahlen war, wurde dieses Prinzip 2005 über Bord geworfen. Mit einigen Zwischenstufen fror die Politik den Arbeitgeberanteil 2015 schließlich bei 7,3 Prozent ein, was der Hälfte des „allgemeinen Beitragssatzes“ von 14,6 Prozent entspricht.

Die Kassen können allerdings einen Zusatzbeitrag erheben – und tun dies auch – den die Arbeitnehmer alleine zahlen. Im Jahr 2018 soll der "durchschnittliche Zusatzbeitragssatz" laut Bundesgesundheitsministerium bei 1,0 Prozent liegen.      

Werden die Pläne aus den Sondierungsgesprächen zwischen Union und SPD umgesetzt, würde die Parität bei den Zahlungen wieder hergestellt.         

Operationsteam im OP

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