Krank zur Arbeit: Darf man das?

Montag, 19.02.2018

Wer krank zur Arbeit geht, tut sich selbst und den Kollegen keinen Gefallen. Das Risiko von Unfällen steigt, die körperliche Überlastung führt womöglich zu einem noch längeren Ausfall und nicht zuletzt ist die Ansteckungsgefahr hoch. Rein rechtlich gesehen darf jedoch jeder zur Arbeit gehen, der sich fit genug fühlt, selbst mit Krankenschein.

Arbeitnehmer haben also auch gegen den ärztlichen Rat das Recht, über ihre Arbeitsfähigkeit zu entscheiden. Der Arbeitgeber muss dieses Arbeitsangebot allerdings nicht akzeptieren. Sieht er aufgrund des Gesundheitszustands ein Risiko für den Mitarbeiter selbst oder den Kollegenkreis, kann er den Erkrankten jederzeit wieder nach Hause schicken. Mehr als das: Er muss es sogar, um seiner Fürsorgepflicht gerecht zu werden.

Warum ist das Arbeiten trotz Krankschreibung erlaubt?

Im Arbeitsrecht lässt sich der Begriff „krank“ im Grunde als „nicht arbeitsfähig“ übersetzen. So erhält der Arbeitnehmer vom Arzt auch keine Krankschreibung sondern eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU). Darin bestätigt der Mediziner, dass er seinen Patienten zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht für (voll) arbeitsfähig hält – und er gibt mit der Laufzeit der AU zugleich eine Prognose ab, wie lange dieser Zustand noch andauert.

Hat der Arbeitnehmer nun entgegen der Prognose das Gefühl, dass die Genesung schneller verlaufen ist, kann er ohne Rücksprache an seinen Arbeitsplatz zurückkehren. Eine Arbeitsfähigkeits- beziehungsweise Gesundschreibung sieht das Arbeitsrecht ohnehin nicht vor.    

Muss der Arbeitgeber überhaupt von der Krankschreibung erfahren?

Wahrscheinlich kommt es regelmäßig vor, dass Arbeitnehmer trotz AU im Büro erscheinen, ohne dass der Arbeitgeber überhaupt Kenntnis von dem ärztlichen Attest erhält. Rechtens ist das jedoch nicht, denn der Arbeitnehmer ist zur Vorlage verpflichtet. Er muss den Schein also nicht nur vorlegen, um seine Abwesenheit zu legitimieren, sondern auch, um dem Chef die Wahrnehmung seiner Fürsorgepflicht zu ermöglichen. Schließlich muss dieser das bestehende Risiko auch gegenüber Dritten einschätzen, was den Arbeitnehmer selbst vielleicht zunächst nicht im selben Maße beschäftigt.

Eine Auskunft zur Diagnose muss der Arbeitnehmer nicht erteilen. Eine Ausnahme bestünde nur, wenn eine erhebliche Ansteckungsgefahr für andere Mitarbeiter besteht.

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