Kettenauffahrunfall: Nicht immer trägt der Auffahrende Schuld

Mittwoch, 13.09.2017

Wer auffährt, hat Schuld? Tatsächlich ist das meist der Fall, aber eben nicht immer. Schließlich handelt es sich zunächst nur um einen sogenannten Anscheinsbeweis, der durch Fakten widerlegt werden kann. Richter bestätigen dies regelmäßig, gerade bei einem Kettenauffahrunfall.

Der Anschein, dass der Auffahrende die Schuld trägt, ist fast immer gegeben. Schließlich ist jeder Fahrzeugführer verpflichtet, ausreichend Sicherheitsabstand zu halten, um rechtzeitig bremsen zu können. Unter bestimmten Umständen ist es jedoch möglich, dass das nicht reicht. Dann trägt der Vorausfahrende wahrscheinlich zumindest eine Mitschuld. Das kann bei Kettenauffahrunfällen der Fall sein, ebenso aber auch bei einem Unfall mit nur zwei Beteiligten.

Kettenauffahrunfall  –  Schuldfrage offen

Kommt es zu einem Auffahrunfall mit mehreren beteiligten Fahrzeugen, einem Kettenauffahrunfall, steht die Schuld des Letzten so gut wie fest, wenn der vorausfahrende Fahrer noch rechtzeitig zum Stehen gekommen ist.  In diesem Fall ist durch den Unfallhergang belegt, dass der rechtzeitige Halt möglich war.

Steht jedoch nicht eindeutig fest, ob der Vorausfahrende vielleicht doch selbst aufgefahren ist, weckt das auch Zweifel an der Schuld des Letzt-Beteiligten. Denn kam das vorausfahrende Fahrzeug durch den Aufprall zum Stehen, war es vielleicht auch dem Letzen nicht möglich, den Unfall zu vermeiden.

Gerichtsentscheid mit geteilter Schuld

So sah es 2014 auch das Oberlandesgericht Hamm (6 U 101/13) bei einem Unfall mit vier beteiligten Fahrzeugen. Dabei prallte die Beklagte mit ihrem Wagen als Letzte auf den vorausfahrenden Wagen und sollte nun die Kosten für den Heckschaden tragen. Der Vorausfahrende als Kläger berief sich vor Gericht auf den Anschein der Unaufmerksamkeit, da der Aufprall zu verhindern gewesen sei.

Der Richter folgte dem nicht. Da im konkreten Fall nicht zweifelsfrei ermittelt werden könne, ob der Kläger selbst rechtzeitig zum Stehen gekommen sei, ließe sich auch keine Alleinschuld der Beklagten feststellen. Der Anscheinsbeweis greife hier nicht, womit die Betriebsgefahr der beteiligten Fahrzeuge zum Tragen komme. Das Urteil: Kläger und Beklagte tragen je 50 Prozent.

 

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