Hier verdienen Frauen mehr als Männer

Freitag, 26.01.2018

Der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen liegt EU-weit bei 16,3 Prozent. Deutschland nimmt hinter Estland und Tschechien mit rund 22 Prozent einen traurigen Spitzenplatz ein. Dabei gibt es innerdeutsch große regionale und berufsspezifische Unterschiede. Die „Berliner Morgenpost“ hat ermittelt: Manchmal liegen Frauen sogar vorn. 

Wie die Zeitung unter Berufung auf die Zahlen der Arbeitsagentur (2016) mitteilt, können Frauen in fünf von 126 Berufen und in 15 von 401 Kreisen / kreisfreien Städten ein Gehaltsplus im Vergleich zu den Männern verbuchen. Die neuen Bundesländer schneiden dabei deutlich besser ab als die alten. Noch erstaunlicher: Mit Blick auf die Berufe sind es gerade männerdominierte Felder, in denen Frauen mehr auf dem Gehaltszettel haben.  

In diesen Berufen verdienen Frauen mehr

In der langen Liste der Berufe sind es nur sehr wenige, in denen Frauen mehr verdienen, und zwar folgende:

  • Hochbau mit + 24 Prozent (648 Euro monatlich)
  • Fahrzeug-, Luft-, Raumfahrt- und Schiffbautechnik mit + 21 Prozent (647 Euro monatlich)
  • Tiefbau mit + 19 Prozent (571 Euro monatlich)
  • Veranstaltungsservice und -management mit + 7 Prozent (188 Euro monatlich)
  • Gewerbe, Gesundheitsaufsicht, Desinfektion mit + 4 Prozent (124 Euro monatlich)

Die Frage nach den möglichen Ursachen beantwortet Katharina Wrohlich vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in der „Morgenpost“ wie folgt: "Frauen, die sich für männerdominierte Berufe entscheiden, sind häufig besonders für diese speziellen Berufe motiviert und vielleicht auch besonders ehrgeizig – dies kann sich wiederum positiv auf ihr Gehalt auswirken."

In diesen Regionen verdienen Frauen mehr

Die Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern sind auf dem Gebiet der ehemaligen DDR deutlich geringer als im Westen. So liegen alle 44 der 401 Kreise, in denen Frauen ähnlich oder sogar besser verdienen als ihre männlichen Kollegen, im Ostdeutschland. Spitzenreiter sind die Städte Frankfurt/Oder und Cottbus, beide im Bundesland Brandenburg. Das Plus beträgt hier durchschnittlich 17 Prozent.

DIW-Expertin Katharina Wrohlich sieht die Ursachen hier in der Historie. Sie stellt fest: „Es gab nicht diese klassische Rolle der Hausfrau und Mutter (in der DDR, d. Red.).“ Die Folge: Frauen hatten dieselben Karrierechancen wie Männer, entsprechend stark waren die Möglichkeiten zur Kinderbetreuung. 

Frau und Mann bei der Arbeit

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