Häusliche Pflege: 7 Tipps für Angehörige

Freitag, 16.02.2018

Rund drei Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Jedes Jahr werden es mehr, denn mit steigendem Lebensalter wächst die Gefahr, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Mehr als zwei Drittel aller Pflegebedürftigen werden zu Hause betreut. Pflegende Angehörige stellt das vor große Herausforderungen, und sie müssen Großes leisten.

Das Problem: Mit gutem Willen ist Pflege nicht getan. Die Umstellung kostet Geld, Zeit und erfordert Fachwissen bei der Betreuung. Je nach Pflegegrad kann die Bedürftigkeit dazu führen, dass eine parallele Berufsausübung durch den Pflegenden nicht mehr zu leisten ist. Tritt die Pflegebedürftigkeit unerwartet ein, ist zunächst eines wichtig: Verlieren Sie nicht den Lebensmut, als Pflegeperson erhalten Sie mannigfaltige Unterstützung.

Individuelle Beratung und Lebenshilfe

Die Hilfeleistungen der Pflegeversicherungen decken (trotz aller Probleme) ein breites Spektrum ab. Das ist auf Dauer von großem Vorteil, überfordert zunächst jedoch. Aus diesem Grund sind die Pflegekassen zu individueller Beratung durch qualifiziertes Personal  verpflichtet. Nutzen Sie diese Möglichkeit sofort, um die bürokratischen Hürden zu nehmen.

Schulungen zum Umgang mit dem Pflegebedürftigen

Seit 2016 besteht auch ein Anrecht auf Schulungen, die unentgeltlich angeboten werden müssen. Träger sind wiederum die Pflegekassen, die zum Teil andere Organisationen damit beauftragen. Hier geht es nicht nur um Anträge und Behördengänge, sondern auch um die praktische Pflege. So verlieren Sie die Angst, dem Pflegebedürftigen womöglich durch eine falsche Behandlung zu schaden.

Zeit vom Arbeitgeber

Um den Pflegealltag zu regeln (die Pflegeversicherung hilft Ihnen auch bei der Erstellung eines individuellen Pflegeplans), braucht es zunächst Zeit. Ihr Arbeitgeber ist verpflichtet, Ihnen diesen Spielraum einzuräumen. Er muss Ihnen zehn freie Tage gewähren, auch wenn diese nicht bezahlt werden. Die Pflegekasse kompensiert den Ausfall.

Dauerhafte Arbeitsplanung

Steht der Pflegeplan, kann zum Beispiel über eine Teilzeitregelung gesprochen werden. Auch müssen bis zu sechs Monate Pflegezeit gewährt werden, wobei der Arbeitgeber die Sozialversicherungsbeträge begleicht. Lohn wird in dieser Zeit nicht bezahlt.

Anerkannte Pflegepersonen (mindestens 14 Stunden wöchentlich), die ihrem Beruf nicht mehr nachgehen können, erhalten einige weitere Leistungen aus der Arbeitslosen- oder Unfallversicherung. Die Pflegeversicherung übernimmt oft die Beiträge zur Rentenversicherung. Eine umfassende Beratung über die Möglichkeiten ist hier wichtig (eigentlich schon im Vorfeld, um sich entsprechend abzusichern).  

Wovon leben?

Trotz aller finanziellen Hilfen: Meist bleibt das Thema Geld ohne eigene Rücklagen ein Problem. Finanzielle Hilfen gibt es dabei in vielfacher Form. Die wichtigste Stütze ist das Pflegegeld, das je nach Pflegestufe bis zu 901 Euro monatlich beträgt. Daneben ist gerade zu Beginn der Pflegebedürftigkeit wichtig, Zuschüsse für notwendige Umbauten in der Wohnung in Anspruch zu nehmen. Bis zu 4.000 Euro gibt die Pflegekasse hier dazu.

Weitere Hilfen zur Alltagsbewältigung

Je nach Art der Erkrankung bedarf es für die Pflege zahlreicher Hilfsmittel, von denen man zum einen Kenntnis haben muss und die dann auch finanziert sein wollen. Spezielle Kataloge bieten einen Überblick. Besteht Bedarf, übernimmt die Pflegeversicherung den Löwenanteil der Kosten. Die eigene Zuzahlung von zehn Prozent ist bei 25 Euro gedeckelt.

Leben ohne zu leben?

Pflege ist oftmals ein Vollzeitjob, aber es gibt auch hier eine Urlaubsregelung. 28 Tage zur Erholung stehen pflegenden Angehörigen zu. In dieser Zeit übernimmt eine ausgebildete Pflegekraft die Betreuung.  

Symbolbild Pflege (Hände)

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