Gewalttätigkeit im Job – Arbeitsunfall oder nicht?

Montag, 15.01.2018

Führt eine Tätlichkeit während der Arbeit oder auf dem Arbeitsweg zu einer Verletzung, entscheiden erst die genaueren Umstände darüber, ob es sich um einen Arbeitsunfall handelt. Das geht aus zwei Urteilen des Landesarbeitsgerichts Stuttgart hervor, über die der „Spiegel“ berichtet. Arbeitsunfall oder nicht? Hier die konkreten Fälle.

Fall 1, Verletzung des Opfers als Arbeitsunfall anerkannt

Im vorliegenden Fall war es auf der Rückfahrt von der Arbeit zu einem heftigen Streit gekommen. Der Anlass: Einer der Männer wollte die Fenster im Wagen öffnen, der andere wollte das nicht. In Folge des Disputs schlug der eine Mann dem anderen mit der Faust ins Gesicht und trat ihm anschließend gegen den Kopf. Das Opfer erlitt eine Schädelprellung. Der Schläger wurde später wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt.

Als der Geschädigte seine Verletzung als Arbeitsunfall anmeldete, lehnte die Berufsgenossenschaft dies ab. Sie argumentierte, der Streit habe mit der Arbeit nichts zu tun, sondern liege in der Persönlichkeit der Streitenden begründet.

Das Landessozialgericht Stuttgart bewertete die Sache anders (Az.: L 1 U 1277/17). Da es sich bei dem Heimweg um ein dienstliches Erfordernis handele, müsse die Versicherung zahlen. Motto: Ohne Arbeit und Arbeitsweg keine Verletzung.

Fall 2, Verletzung des Täters als Arbeitsunfall abgelehnt

Der zweite Fall ist ähnlich gelagert, die Verletzung entstand jedoch beim Angreifer und führte bei den Landesrichtern zur gegenteiligen Bewertung (Az.: L 1 U 1504/17). Die Richter sahen hier keinen direkten Zusammenhang zur beruflichen Tätigkeit und nahmen die Versicherung aus der Pflicht.

Im konkreten Fall war es zwischen zwei Männern im Lager zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen, die zumindest einer der Streitenden nur schlecht verkraftete. Als er seinem Kontrahenten eine halbe Stunde später wieder begegnete, nahm er Anlauf und rammte ihm den Kopf in den Brustkorb. Der Aufprall verlief so unglücklich, dass sich der Angreifer selbst den Halswirbel brach. Diese Verletzung wollte er nun als Arbeitsunfall anerkannt wissen.

Nein, sagten die Richter. Zwar könne ein Disput durchaus betrieblich begründet sein, im konkreten Fall sei dies jedoch nicht gegeben. Dem Angreifer sei es schlicht darum gegangen, seinen Gegner umzuwerfen. Der Angreifer hatte zuvor noch versucht, den Kopfstoß auf ein zufälliges Stolpern zurückzuführen. Weder die Zeugen des Vorgangs noch die ärztliche Untersuchung der Verletzung bestätigten dies jedoch. 

Handgreiflicher Streit zwischen Kollegen

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