Gewalt bei der Kindererziehung: Das sind die Konsequenzen

Donnerstag, 09.11.2017

Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Doch nach Angaben des Kinderschutzbundes wachsen allein in Deutschland mehr als eine Million Kinder mit häuslicher Gewalt auf. Die Folgen für die Betroffenen sind verheerend. Langzeitstudien belegen, dass Nachwirkungen ein Leben lang bestehen. Oft ist eigene Gewalt die Folge.

Die gewaltfreie Erziehung ist im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert. Darin heißt es: "Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig." Das Gesetz besteht erst seit November 2000. Mindestens bis 1980 waren körperliche Züchtigungen durch die Eltern an der Tagesordnung und vom Gesetz gedeckt.

Akzeptanz für Gewaltlosigkeit in der Erziehung wächst

Die Verankerung im Gesetz und die öffentliche Diskussion haben immerhin dazu geführt, dass die meisten Eltern eine gewaltfreie Erziehung anstreben – auch bei den "leichten" Strafen wie Ohrfeigen. Aus Erhebungen im Auftrag der Bundesregierung geht hervor, dass 1996 noch mehr als 80 Prozent der Eltern geringe körperliche Züchtigungen im Rahmen der Erziehung befürworteten. Bis 2012 war diese Zahl unter 50 Prozent gesunken.

Mit welchen rechtlichen Konsequenzen müssen Eltern rechnen, wenn sie Gewalt gegen ihre Kinder anwenden?

Rechtliche Konsequenzen bei körperlicher Gewalt

Ein Klaps auf den Hinterkopf, so es bei diesem bleibt, wird sicherlich nur selten bestraft. Das Gesetz wertet ihn jedoch als Delikt der körperlichen Misshandlung, genau wie jede Ohrfeige. Fließende Grenzen werden so vermieden. 

Der Gesetzgeber greift im Regelfall erst ein, wenn er das Kindeswohl in Gefahr sieht. In diesem Fall droht dem gewalttätigen Elternteil der Entzug des Sorgerechts. Die bis dahin gemeinsam genutzte Wohnung darf vom Täter nicht mehr betreten werden.

In vielen Fällen wird das Jugendamt eingeschaltet, um die Situation vor Ort einzuschätzen. Nach vielen tragischen Fällen von Kindesbrauch (auch mit tödlichem Ausgang) trotz Einschaltung eines Jugendamts sind die Behörden verpflichtet, Fachkräfte oder die Polizei hinzuzuziehen. Ist das Kind gefährdet, kann es schützend in Obhut genommen werden.     

Folgende Formen von Gewalt stehen unter Strafe:

  • Körperlicher Missbrauch
  • Sexueller Missbrauch
  • Emotionaler Missbrauch
  • Vernachlässigung

Kindesmisshandlungen sind Straftaten. Damit ist die Verhängung von Haftstrafen bis zu zehn Jahren möglich. Zur Anwendung kommt dies jedoch nur im Extremfall, da bei familiären Gewalttaten vorrangig auf Hilfe gesetzt wird – auch für die Täter. Im Gesetz heißt es: "Nicht die Strafverfolgung oder der Entzug der elterlichen Sorge dürfen deshalb in Konfliktlagen im Vordergrund stehen, sondern Hilfen für die betroffenen Kinder, Jugendlichen und Eltern."

Hinweis: Gewalt gegen Kinder und Jugendliche wird nach Ansicht der Deutschen Kinderhilfe auch angewendet, wenn Eltern ihre Pflichten grob verletzen. So sei es zum Beispiel ein Vergehen, wenn Eltern ihre Kinder unkontrolliert essen lassen und es schon in jungen Jahren zu einer gefährlichen Fettleibigkeit kommt.  

Kind wehrt sich mit der Hand

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