Gegafft statt geholfen: Diese Strafen erwarten Schaulustige bei einem Unfall

Samstag, 02.09.2017

Über die Rolle von Gaffern wird derzeit viel diskutiert. Traurige Anlässe gibt es genug und die bisherigen Regelungen scheinen nicht geeignet, dem gefährlichen Treiben von Schaulustigen Einhalt zu gebieten. Im Gespräch sind Sichtschutzwände, eine bessere Aufklärung und auch härtere Strafen. Aber wie sieht die heutige Rechtlage eigentlich aus? 

Passiert ein Unfall, kann die Zeit über Leben und Tod entscheiden. Denn erhalten Verletzte nicht sofortige Hilfe, ist es oft schon zu spät. Das Strafgesetzbuch sieht daher eine Pflicht zur Ersten Hilfe vor (§ 323c StGB). Unterlassung ist hier eine Straftat. Auch die Behinderung der Rettungskräfte kann geahndet werden.

Straftat unterlassene Hilfeleistung

Wer eine hilflose Person fotografiert oder ihr zumutbare Hilfe verweigert, muss mit einer Anzeige rechnen. Das Strafmaß reicht von einer Geldstrafe bis zu zwei Jahren Haft. Das gilt übrigens auch für jene, die entsprechende Aufnahmen wissentlich weitergeben oder veröffentlichen.

Die unterlassene Hilfeleistung selbst wird mit bis zu einem Jahr Freiheitsentzug bestraft.  

Behinderung der Rettungskräfte

Werden Rettungskräfte von Gaffern behindert, was die Verletzten ebenfalls in erhebliche Gefahr bringt, fallen die Strafen weit milder aus. Ein Fahrverbot, Punkte in Flensburg oder gar eine Gefängnisstrafe sind nicht vorgesehen. Geldstrafen sind möglich, im härtesten Fall bis zu 1000 Euro.

Wie Gaffer in der Realität bestraft werden, sieht allerdings noch einmal anders aus. Meist besteht gar keine Zeit, sich um diese Personen zu kümmern. Geschieht dies doch, ist die Sache meist mit einem Griff ins Kleingeldfach erledigt. So wird eine Behinderung der Rettungskräfte durch Befahren des Seitenstreifens mit einer Geldbuße von 20 Euro geahndet. Wer hier parkt, wird 25 Euro los.

Hinweis für richtiges Verhalten

Wer Zeuge eines Unfalls wird, muss die Unfallstelle sichern, den Notruf betätigen und im Anschluss Erste Hilfe leisten, bis die Rettungskräfte vor Ort sind und die Betreuung des Verletzten übernehmen.

Staut sich der Verkehr hinter einem Unfallort, ist eine Rettungsgasse zu bilden und offen zu halten.  

Vorführung einer Unfallbergung

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